Jack verdrehte die Augen, schrie heiser auf, mit krächzender, sich überschlagender
Stimme; er stieß noch einmal kraftvoll zu, während der Explosion, dann brach er keuchend
über ihr zusammen, spürte sein aufgeregt zuckendes Glied, gefangen, aber glücklich
eingezwängt in ihrem Po, ihrem runden, verlockenden, berauschenden Hintern, dieser
endlich erfüllten langgehegten Sehnsucht; vergrub sein Gesicht in ihren langen Haaren, um
seine atemlosen Schreie zu ersticken, während er hilflos in den lodernden Flammen der
Verzückung taumelte. Schmerzhaft schöne Schauer durchströmten ihn, scheinbar endlose,
jeden klaren Gedanken auslöschende Wellen; er verglühte, starb tausend Tode, weinte,
stammelte ihren Namen, wieder und wieder...
"Es scheint dir gefallen zu haben", sagte sie schelmisch, als er später aus
der Dusche trat. Sie hatte sich einen Bademantel übergeworfen, doch der stand offen und
ihre Brüste wölbten sich ihm verlockend entgegen. Er schwieg, was sollte er auch darauf
antworten. Seine heftige Reaktion hatte ihn selbst überrascht. Sie griff nach einem
Handtuch, begann unverfänglich damit, ihm die Haare abzurubbeln.
"Gib`s zu", sagte sie. "Das wolltest du schon immer tun."
Das stimmte. Jacks Blickfang bei einer Frau war ein knackiger Po, daran war nichts zu
rütteln. Ein hübscher Hintern, eingepackt in eine enge Jeans... Oft nahm er Lorraine von
hinten, doch irgendwie fehlte noch der letzte kleine Kick... Iimmer quälte ihn die
Neugier darauf, wie es wohl wäre...
Aber er hätte nie gewagt, Lorraine darum zu bitten. Irgendwann einmal, als ihr
Gespräch auf sexuelle Vorlieben kam, hatte sie kategorisch festgestellt, daß sie sich
nichts widerlicheres als Analverkehr vorstellen könnte. Einen deutlicheren Wink mit dem
Zaunpfahl konnte sie ihm eigentlich nicht geben.
Doch heute... Sie hatte es ihm förmlich aufgedrängt. Nicht, das er sich mit Händen
und Füßen gewehrt hätte...
"Das muß dir nicht peinlich sein", sagte sie, und trocknete seine Schultern
ab, seine Brust, seinen Bauch... Sie blickte in seine Augen, lauerte auf jede Regung in
seinem Gesicht, als sie vorsichtig mit dem Tuch über sein Geschlecht fuhr.
"Und das scheint dir auch zu gefallen", schnurrte sie. Mit ihrer anderen Hand
strich sie durch sein Haar, kam ihm dabei aufregend nahe. Er spürte ihre Brüste an
seinem Körper, weich und warm schmiegten sie sich an seine Haut; unter der Berührung
erblühten ihre Knospen. "Schenkst du mir eine Locke?" fragte sie. "Als
Glücksbringer..."
"Seit wann bist Du abergläubisch?"
Ein sanfter, aber äußerst aufdringlicher Griff durch das Handtuch hindurch ließ ihn
vor Wonne aufstöhnen. Unter ihren wissenden Händen erwachte sein Schwanz zu neuen Leben,
richtete sich auf, pulsierte neugierig, aber noch etwas unentschlossen zwischen ihren
Fingern.
"Bitte, bitte..." hauchte sie spöttisch und leckte über ihre Lippen.
Er ging auf ihr Spiel ein. "Ich weiß nicht." Er betrachtete mit zweifelndem
Blick sein Haar im Spiegel, zupfte an den nassen, wirren Strähnen. "Was bekomme ich
dafür?"
"Oh", schmollte sie und preßte ihre Brüste fester gegen ihn."Was ist
schon eine Locke?" Das Handtuch glitt zu Boden, er spürte ihre zarten Finger
hautnah; spielerisch umkreiste sie seinen Schwanz, umfaßte ihn schließlich.
Unerträglich langsam fuhr ihre Hand den Schaft auf und ab, bis sein Glied vollends hart
und steif in ihren Bademantel drängte. Sie ließ es über die nackte Haut ihres Bauches
streifen, zeichnete glitzernde Muster.
Er schauderte, schloß die Augen und stöhnte. "Vielleicht lasse ich mich doch
überreden", brachte er mit übermenschlicher Anstrengung einigermaßen verständlich
heraus.
Sie antwortete nicht, oder doch, allerdings nicht mit Worten, sondern mit streichelnden
Fingern und dann mit ihren vollen Lippen, die sich um seine glühende Eichel legten...
Nur mühsam konnte er sich auf den Beinen halten. Ihre tastende Zunge erkundete seinen
erigierten Schwanz, dann nahm sie ihn völlig in ihren Mund auf und ließ ihn langsam
wieder herausflutschen.
"Was ist mit meiner Haarlocke?"erkundigte sie sich.
Mit ungeschickten Händen zog er hastig die Schublade unter dem Spiegel auf und griff
nach einer Schere. "Meinetwegen schneide ich mir eine Glatze, wenn du jetzt bloß
nicht aufhörst."
"Eine kleine Strähne reicht mir schon", flüsterte sie. Und sie hörte nicht
auf...
****
Zu Hause saß Jack am nächsten Morgen gähnend am Frühstückstisch. Seine Eltern
waren schon unterwegs, nur seine Schwester war noch im Haus.
"Du solltest dir nicht die Nächte um die Ohren schlagen", spottete sie.
"In deinem Alter gehörst du früh ins Bett."
"Ich gehe aus, mit wem ich will", knurrte Jack.
Christine lachte. "Es ist mir völlig egal, mit wem du dich rumtreibst. Deswegen
muß ich Lorraine noch lange nicht mögen."
"Was habt ihr zwei bloß", murmelte Jack. "Warum könnt ihr euch nicht
leiden?"
"Eine Feindschaft für`s Leben", entgegnete Christine und räumte ihr
Geschirr in die Spüle. "Haß auf den ersten Blick." Sie sah auf die Uhr.
"Ich muß los", sagte sie und griff nach ihrer Tasche. "Sie ist eine
arrogante, eingebildete Ziege... Krankhaft egozentrisch. Sie muß immer und überall im
Mittelpunkt stehen und haßt jeden, der ihr das Wasser reichen kann, wie die Pest... Ich
sollte Psychologie studieren. Was soll`s. Wenn sie dir gefällt..."
Jack blickte ihr nach und seufzte. Es war schon lästig, daß sich seine Schwester und
seine Freundin nicht vertrugen. Nun, der Grund dafür war seiner Meinung einfach, daß sie
sich zu ähnlich waren. Schön, intelligent (obwohl beide blond), beliebt. Sie kamen sich
zu oft in die Quere, um miteinander klarzukommen. Na ja, falls er Lorraine einmal heiraten
sollte, würde er Christine wohl nicht zur Hochzeit einladen können...
Später, in der Schule, saß er ruhig auf seinem Platz und ließ sich vom Geschwätz
des Lehrers berieseln. Seine Gedanken streiften unwillkürlich ab zu letzter Nacht,
durchlebte genüßlich noch einmal den Augenblick, als er in sie eindrang, vorsichtig, um
sie nicht zu verletzen...
Es wurde ihm unbequem eng in der Hose, also verscheuchte er den Gedanken und
konzentrierte sich auf den Unterricht. Eigentlich ein totsicheres Mittel, um jeden Spaß,
jede Freude, überhaupt jede menschliche Regung abzuwürgen; aber diesmal funktionierte es
nicht. Ungeduldig pochte sein Schwanz in seiner Hose. Heiße Schauer glitten über seine
Haut, wie ein Streicheln, zwar angenehm, doch im Moment äußerst unpassend.
Dieses seltsame Streicheln wurde intensiver, brannte wie Feuer auf seiner Haut. Nur
mühsam konnte er ein Stöhnen unterdrücken. Schließlich verlagerte es sich vor allem
auf seinen Unterleib und seine Schenkel. Als das Feuer heiß durch seine Hinterbacken
prasselte, seufzte er auf.
Alle Blicke richteten sich sofort auf ihn. Sein Gesicht glühte, vor Vorlegenheit, aber
auch, weil dieses schmeichelnde Brennen andauerte, zudringlicher wurde. Er mußte hier
dringend raus.
"Mir ist schlecht", keuchte er, sprang auf und stürzte aus dem Raum, damit
nicht allzu vielen die gewaltige Beule in seinem Schritt auffiel. Während er über den
Gang hastete, steigerte sich das Brennen, er spürte es zwischen den Beinen. Dann, als er
gerade die Toilettentür aufriß, glitt es aufreizend direkt über sein Glied.
Er schrie und klammerte sich an der Tür fest. Als seine Sicht nicht mehr so getrübt
war, warf er rasch einen mißtrauischen Blick über den Gang (zum Glück weit und breit
keine Menschenseele zu sehen), schlug die Tür hinter sich zu und wankte wie ein
Betrunkener zu den Kabinen.
Gerade noch rechtzeitig...
"Ich habe gehört, dir war heute in der Schule nicht gut?" fragte Lorraine.
Sie lagen in ihrem Bett, wie immer, wenn er nachmittags bei ihr zu Hause war. Dat ihre
Eltern verreist waren (eine längere Tour nach Europa), hatten sie stets eine sturmfreie
Bude; und obwohl so durchaus kein Mangel an Gelegenheit war, bekamen sie voneinander nie
genug.
Jack wurde rot und versuchte mit Belanglosigkeiten auszuweichen. Doch Lorraine beharrte
auf dem Thema. "Man hat mir erzählt, dir wäre übel gewesen, aber ich weiß es
besser..."
Er brummte undeutlich vor sich hin, wand sich unter ihrem forschenden Blick. Dann
drehte sie sich zur Seite, griff unter das Bett und holte eine Schachtel hervor.
"Neugierig?"fragte sie und versteckte die Schachtel hinter ihrem Rücken.
Das war er eigentlich nicht, aber er tat ihr den Gefallen und heuchelte lebhaftes
Interesse. Außerdem konnte er ihr beim Versuch, in den Besitz der Schachtel zu kommen,
aufregend nahe kommen. Als er ihr zu aufdringlich wurde, hielt sie ihn zurück und stellte
die Schachtel vor sich auf das Bett. Sie öffnete den Deckel und holte vorsichtig eine
Puppe heraus. Sie war ungeschickt aus Stoffresten zusammengeflickt, doch es sollte
zweifellos eine männliche Gestalt darstellen, denn anders als üblich war diese Puppe mit
allen geschlechtstypischen Details ausgestattet. Außerdem bestand ihr Haarschopf aus
einer dunkelblonden Locke, die Jack an die Szene im Badezimmer erinnerte.
Er runzelte die Stirn. "Du willst doch nicht im Ernst behaupten..."
Statt einer Antwort strich sie vorsichtig über die Oberfläche der Puppe, und sofort
überfiel ihn wieder das vertraute schmeichelnde Brennen; grinsend schob Lorraine ihre
Fingerspitze zwischen die Beine der Puppe...
"Kleine Geste, große Wirkung", spottete sie. In ihren Augen glitzerte
Triumph und Gier, sie starrte auf sein verlangend aufgerichtetes Glied, das unter den
magischen Streicheleinheiten erbebte.
"Wie fühlt sich das an?" fragte sie neugierig und strich weiter über die
Puppe. Jeder sanfte Strich ihrer Fingerkuppe entzündete hemmunglose Gier, erweckte in
jeder Zelle seines Körper sehnsüchtiges Verlangen.
"Ich finde, jetzt, wo ich dich in natura bei mir habe..." stammelte Jack
atemlos und wand sich genüßlich unter ihrer frivolen Zauberei, "... ist die Puppe
doch etwas überflüssig."
Lorraine grinste und legte die Puppe zur Seite. Sie schmiegte sich an ihn und löschte
mit ihrem Leib, was ihre Magie entfacht hatte.
"In zwei Wochen ist der Abschlußball", sagte Lorraine. Sie saßen bei Joe`s
direkt am Fenster. Draußen ging gerade Christine mit ein paar Freundinnen vorbei,
Lorraines Gesicht erstarrte.
"Entweder wird man mich zur Königin wählen", sagte sie leise. "Oder
deine Schwester."
Jack zuckte uninteressiert mit den Achseln.
"Höchstwahrscheinlich deine Schwester." Ihre drängende Stimme ließ ihn
aufblicken, und er erschrak über die eiskalte Wut in ihrem Gesicht.
"Was ist daran so wichtig?" fragte er verständnislos. Abschlußball,
Schönheitskönigin... Er hatte gehört, daß gestern in China ein Sack Reis umgefallen
war.
"Mir ist es wichtig", sagte sie und ergriff seine Hand. "Das kannst du
mir glauben." Sie blickte wieder hinaus, wo Lorraine gerade um die Ecke verschwand.
"Man müßte dafür sorgen, daß sie nicht beim Ball auftaucht..."
Jack entzog ihr abrupt seine Hand und lehnte sich zurück. Das Entsetzen stand ihm ins
Gesicht geschrieben. Ungläubig starrte er sie an. Hatte er sich so sehr getäuscht? Das
konnte nicht sein. Durfte nicht sein.
"Ich brauche nur ein Büschel Haare von ihr", sagte sie leise und beugte sich
über den Tisch zu ihm herüber, so daß er einen tiefen Einblick in ihre Bluse hatte. Ein
überaus reizender Anblick, schwarze Spitze als verlockender Kontrast zu weißem, üppigem
Fleisch; doch die Berechnung dabei zerstörte für Jack die Erotik dieser Geste.
"Aus ihrer Haarbürste", hauchte sie.
"Nein." Jacks wütender Blick beendete die Diskussion.
Für`s erste...
"Du liebst deine Schwester wohl mehr als mich?"
"Ein komischer Moment, um sowas zu behaupten", keuchte Jack. Er lag auf dem
Rücken, in ihrem Bett, unfähig sich zu rühren, direkt vor ihm wippten ihre Brüste,
während sie auf ihm ritt, wild, entschlossen. Ihre Hemmungslosigkeit ließ ihn fast
vergessen, wie dieses Liebesspiel angefangen hatte, wie er ihren Umarmungen unwillig
ausgewichen war, noch immer verstört über ihr Gespräch bei Joe`s. Fast vergaß er ihr
erstarrtes Gesicht, den verbitterten Zug und ihren entschlossenen Blick, als sie nach der
Puppe griff... Jack wie eine Marionette zum Bett taumeln ließ... Die Puppe auf den
Rücken legte, darauf eine Zeitung... Leicht genug, daß er noch atmen konnte, sich aber
nicht mehr bewegen... Fast vergaß er ihr überlegenes Lächeln, während sie seinen
hilflosen Körper in lüsterne Raserei versetzte...
Fast...
Sie hielt inne, glitt nur noch langsam über seinen erregten Schwanz. "Dieser Ball
bedeutet mir viel", flüsterte sie und ließ ihn mit einer geschickten Bewegung ihres
Beckens in höhere Sphären abheben. "Ein bißchen Übelkeit, Fieber... Nichts
schlimmes, nur, daß sie nicht auf den Ball gehen kann..."
"Ich..." Er stöhnte wollustig auf. Sie preßte ihre Brüste auf sein
Gesicht, spürte seine gierigen Bisse. "Nur ein Büschel Haare..."
Irgendwann im siebten Himmel versprach er ihr alles...
Erschöpft blieb er auf dem Bett zurück, als sie aufstand und die Puppe von ihrer
Fessel befreite. Sie zwinkerte ihm zu und ging ins Bad. Das sanfte, provozierende
Schaukeln ihres Gesäßes entlockte ihm nur müde Bewunderung. Als sie zurückkam, hatte
er sich schon angezogen und schlüpfte gerade in seine Jacke.
"Du willst schon gehen?"fragte sie. Ein besorgter, mißtrauischer
Blick."Bist du sauer auf mich? Hat es dir nicht gefallen? Für mich war es nur ein
Spiel, ich wollte dich nicht wirklich zwingen..."
Er lächelte beruhigend und streichelte geistesabwesend ihren Hintern. "Ein alter
Krieger braucht auch mal etwas Ruhe", sagte er. Er küßte sie flüchtig. "Ich
komme heute abend wieder vorbei."
"Vergiß nicht..."
"Nein, keine Sorge."
Als er in Christines Badezimmer stand und die Haare aus ihrer Bürste klaubte, schlug
sein Herz bis zum Hals. Aus dem Spiegel heraus beobachtete ihn sein bleiches Gesicht
"Ich weiß, was ich tue", erklärte er. "Nur ein bißchen
Fieber..."
Als er aus dem Zimmer schleichen wollte, stieß er mit seiner Schwester zusammen.
"Was schnüffelst du in meinen Sachen herum?" herrschte sie ihn an.
"Ich wollte mit dir reden", entgegnete er. "Ich brauche deinen
Rat."
"In Liebesdingen?" fragte sie fröhlich. "Man sollte annehmen, daß nach
den langen Nächten im Haus einer gewissen jungen Dame keine derartigen Fragen mehr offen
geblieben sind..."
"Kennst du ihre Eltern?" fragte er.
"Was ist los, willst du einen Abstecher nach Vegas machen und die Kleine heiraten?
Und hast Angst, wie deine Schwiegereltern reagieren?"
"Ich kenne ihre Eltern nicht", beharrte Jack. "Gleich nachdem sie
hierhergezogen sind, müssen sieauf ihre Europareise gegangen sein. Niemand, den ich
kenne, hat sie jemals gesehen..."
"Sei froh", unterbrach sie ihn. "Du glaubst gar nicht, wie Eltern bei
gewissen Dingen stören können..."
Jack gab es auf. "Na gut", sagte er. "Dann werde ich mal losziehen und
die Gelegenheit nutzen, so lange es geht."
Lorraines Haus wirkte heute abend anders, finster und unheimlich. Langsam ging Jack
durch den Vorgarten, dann faßte er sich ein Herz und klingelte an der Haustür. Sofort
war Lorraine an der Tür, sie mußte schon ungeduldig auf ihn gewartet haben. Stumm trat
sie zur Seite und ließ ihn herein.
Sie führte ihn ins Wohnzimmer. Auf dem Tisch entdeckte er zwei Puppen, sich selbst,
das heißt die Puppe, die ihn darstellte, und eine weibliche Figur. "Gib her!"
sagte sie. Jack drückte ihr das Büschel Haare in die Hand. Sie griff danach, und ohne
ihn weiter zu beachten, trat sie zum Tisch und werkelte an der betreffenden Puppe herum.
Jack stand eine Weile dumm herum, dann setzte er sich in einen Sessel und beobachtete
Lorraine fasziniert. Schließlich hielt sie die Puppe für ähnlich genug und hielt sie
Jack zufrieden lächelnd entgegen.
"Was kommt jetzt?" fragte er. "Irgendwelche Rituale?"
Lorraine runzelte die Stirn. "Die Beschwörungen muß ich allein durchführen. Ich
werde in die Küche gehen..."
"Was mich interessiert, hast du von deinen Eltern auch solche Figuren
angefertigt?"
Sie blickte ihn mißtrauisch an, dann griff sie nach dem Aschenbecher und stellte ihn
auf die männliche Puppe auf dem Tisch. Jack spürte ein tonnenschweres, bleiernes Gewicht
auf seiner Brust, konnte nur noch mit äußerster Mühe atmen. Trotzdem zwang er sich,
ruhig und ungerührt weiterzureden.
"Hast du sie lauter Dinge tun lassen, bis alles zu deiner Zufriedenheit geregelt
war? Und dann?"
Ohne Antwort ging sie hinaus. Jack versuchte, aus seinem Sessel aufzustehen, aber alle
Versuche waren vergeblich. Schließlich fand er sich damit ab und wartete.
Nach einer Ewigkeit kehrte Lorraine zurück. Ihr Gesicht war kreidebleich, mit
zitternden Händen setzte sie die Puppe auf den Tisch. Ihre Augen glühten.
"Die Königin eines Balls", sagte Jack.
"Was weißt du schon!" schrie sie ihn an. Sie betrachtete versonnen die Puppe
vor ihr.
"Nur ein bißchen Fieber", sagte Jack flehend.
Sie grinste ihn an. "Hast du schon mal eine Katze beobachtet, wenn sie eine Maus
gefangen hat? Sie tötet sie nicht gleich, sie spielt mit ihr, läßt sie ein Stück
laufen, krallt sie sich wieder, ein Hieb auf den Kopf, dann anstoßen, bis sie wieder zu
sich kommt... Und so geht das immer weiter." Tief in ihren Augen schwelte der
Wahnsinn. Warum hatte er das nie zuvor bemerkt? "Bis die Maus tot ist." Er war
wohl zu sehr mit anderen Regionen ihres Körpers beschäftigt gewesen. Schwanzgesteuert
auch ohne die verdammte Puppe da. Oder einfach bis über beide Ohren verliebt, und daher
blind für alles, was er nicht sehen wollte.
"Ist das nicht grausam?" Sie griff nach einer Stricknadel. Jack spürte keine
Angst, ihn erfüllte eine tiefe, ruhige Gelassenheit. Diese unwirkliche Szene betraf ihn
nicht mehr, seine Welt war zusammengebrochen; seine Träume, seine Hoffnungen, die sich
alle irgendwie um eine Zukunft mit Lorraine gedreht hatten: zu Staub zerfallen und vom
Winde verweht. Alles, was jetzt noch geschah, mit ihm oder anderen...
Bedeutungslos.
"Sie sollte gnädig sein und es schnell beenden..." Rasch hob Lorraine den
Aschenbecher von der männlichen Puppe und stieß die Nadel in die Brust der Figur. Jack
spürte einen kurzen, stechenden Schmerz, dann versank er im ewigen Dunkel.
Nachdenklich betrachtete Lorraine die Leiche ihres Liebhabers. Sie horchte in sich
hinein. Nur eine winzige Spur von Bedauern. wenn überhaupt. Männer waren so leicht zu
kontrollieren, eigentlich benötigte man die Puppe dazu gar nicht. Man brauchte sie nur an
einem bestimmten Punkt packen, einem gewissen sensiblen Körperteil, mit geschickten
Händen oder sanften Lippen, und man bekam eigentlich alles, was man wollte...
Unschlüssig musterte sie die weibliche Puppe. Ihre Geschichte von der grausamen Katze
schoß ihr durch den Kopf. Eigentlich würde es ihr schon Freude machen, dieses Miststück
ein wenig zu quälen.... Die Beine oder die Arme brechen... Stiche in alle möglichen
Körperteile... Feuer... Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt...
Verlockend, aber zwecklos. Sie konnte ihr Opfer gar nicht beobachten, während sie
Christine folterte. Und da war immer noch Jacks Leiche, wegen der sie sich etwas einfallen
lassen mußte.
Vielleicht sollte sie noch etwas warten, sich Zeit lassen. Christine die Trauer über
den Tod des Bruders durchleben lassen. Und sie dann zu einem einsamen Ort schaffen, kein
Problem mithilfe der Puppe...
Doch tief in ihrem Innern brodelte ungeduldig die Wut. Ihr Haß duldete keinen
Aufschub. "Stirb, du Miststück!" fauchte sie die Puppe an und bohrte die Nadel
hinein, mit aller Kraft und Leidenschaft.
Gequält bäumte sich ihr Körper auf. Ihre sterbenden Augen starrten auf Jack, sein
trauriges, wissendes Gesicht. Es blieb ihr nur ein kurzer Moment zwischen Schmerz und
Dunkelheit, um sich darüber klarzuwerden, wessen blondes Haar die Puppe schmückte.
ENDE
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