Es gefiel mir ziemlich gut hier in der Disco. Sie lag zwar so ziemlich am
Ende der Welt, wenn ich sie so durch meine Großstadtaugen betrachte, aber
ich war überrascht, wieviel hier los war und auch die Musik war echt nicht
übel. Ich muß vielleicht erst einmal erzählen, was mich in diese ländliche
Gegend gebracht hatte. Es war meine Schulfreundin Monika, die mit ihrem
Freund Peter vor vier Jahren nach ihrem Abi und der Ausbildung nach
Ärmshausen gezogen war, einer kleinen, verschlafen Stadt mitten im
Obstanbaugebiet von Weldersen.
Ich hatte die beiden inzwischen schon fast ein Jahr nicht mehr gesehen und
nun mein Versprechen wahr gemacht, sie dort einmal zu besuchen. Mit der
Bahn war ich gute vier Stunden unterwegs gewesen. Ich hatte mir eine Woche
Urlaub genommen, denn sonst hätte sich das Ganze gar nicht gelohnt. Nun war
ich also in dieser Disco, in einem Nachbardorf von Ärmshausen. Die Stimmung
war gut, denn die Bude war voll und Monika und ich hatten auch schon
einiges getrunken. Für Monika muß es aber wohl zu voll gewesen sein, denn
sie wollte schon wieder gehen. Dabei war es noch nicht einmal Mitternacht.
Ich hatte mich köstlich amüsiert. Vor allem über die ganzen Typen, die hier
so herumliefen. Einige von denen sahen auch echt gut aus, aber irgendwie
merkte man doch an deren Anmache, daß man nicht in der Großstadt war. Als
ich selbst mal einen wirklich gutaussehenden Boy angesprochen hatte, war
der so verdutzt, daß er erst gar nicht wußte, was er sagen sollte. Schien
nicht üblich zu sein, daß auch mal Frauen auf die Männer zugehen. Stellte
sich dann leider heraus, daß er bereits gebunden war und das Gesicht der
Konkurenz zeigte mir deutlich, daß ein kleiner Flirt hier sicherlich nicht
angebracht war. Schade, dabei hatte der Kerl einen so sexy Hintern. Es war
auf jeden Fall erst kurz vor zwölf, als wir, Monika, Peter und ich, die
Disco verließen. Draußen war es hundekalt, typisches Novemberwetter, und
ich war froh, als wir im Auto saßen und uns der Wind nicht mehr in die
Klamotten blies. Aber ich hatte mich zu früh gefreut, denn Peters Wagen
streikte. Vergeblich versuchte er den Motor zu starten. Und auch ein Blick
unter die Motorhaube schien nichts zu bringen. Er erzählte irgend etwas von
einem Teil, was Probleme machen würde. Keine Ahnung, was das war. Ich kenne
mich mit der Technik nicht so aus. Auf jeden Fall schien er den Wagen nicht
in Gang zu bringen. Dann kam eine Diskussion, was nun zu tun wäre. Da muß
ich sagen, daß mich das dann aber doch etwas aufregte. Kurzentschlossen
hatte ich die beiden einfach mit zur Straße geschleppt und den Daumen
hochgehalten, so wie ich es sonst auch oft machte. Peter und Monika
schienen vom Trampen nicht viel zu halten, aber noch keine Minute später
hielt bereits ein Wagen. Ich fragte, ob er uns nach Ärmshausen mitnehmen
könnte, und als das klar war, hatte ich die beiden auch schon auf den
Rücksitz untergebracht. Ich setzte mich vorne rein und los gings. Der
Fahrer sah echt Klasse aus. Muß wohl einer aus den Chef-Etagen gewesen
sein, denn er hatte ziemlich teuren Fummel an, Anzug, Krawatte und so
weiter. Aber dann irritierte mich, daß der Wagen eigentlich nicht zu ihm
paßte. Bei solchen Leuten war ich besseres gewohnt. Das klärte sich aber
auch schnell auf, als er uns erzählte, daß er gerade von irgendeiner Messe
kam und er normalerweise nicht im Anzug herumlaufen würde. Das machte mir
den Mann gleich viel sympatischer, denn ich stehe nicht so auf
Schlipsträger.
Wir unterhielten uns alle recht gut miteinander. Wir erzählten ein wenig
von uns, er ein wenig über sich, wie das nun eben immer so abläuft. Man
kennt das ja... Frank, so hieß dieser Typ, hatte eine echt angenehme
Ausstrahlung. Ich weiß nicht genau, was mich so an ihm faszinierte. Ob es
seine ruhige Art war, oder doch eher seine Augen? Er war recht sportlich
gebaut, hatte hellbraune, kurzgeschnittene Haare. Nein, aber nicht diesen
Stoppelschnitt, sondern eine richtig schicke Kurzhaarfrisur. Reizte mich
richtig, die durcheinanderzubringen.
Er war wohl vor der Messe noch eben beim Friseur gewesen. Ich glaube, ich
hatte mich bereits in ihn verknallt. Ich war ziemlich traurig darüber, daß
wir gleich schon wieder aussteigen würden. Ob ich mir gleich die Autonummer
aufschreiben sollte? Das hatte ich aber schnell wieder verworfen. Wer
findet schon anhand einer Autonummer einen Typen wieder. Ich sah ihn fast
fortwährend an. Der Dussel hat das überhaupt nicht gemerkt, sah ziemlich
starr immer nur nach vorne. Ich konnte seine Augenfarbe leider nicht
erkennen, weil es so dunkel war. Hellblau vermutete ich. Sah zumindest so
aus, wenn uns ein Auto entgegen kam und die Scheinwerfer kurz zu uns
hereinleuchteten. War aber vielleicht auch nur eine Wunschvorstellung, denn
ich liebe blaue Augen. Wir waren etwa zehn Minuten gefahren, da kamen wir
bei der Wohnung von Monika und Peter an. Frank hatte uns bis vor die
Haustür gefahren, weil es inzwischen angefangen hatte zu regnen. Fand ich
riesig nett, macht nämlich auch nicht jeder. Ob ich ihn noch nach seiner
Telefonnummer frage? Ist doch irgendwie verrückt: Wenn es einem so richtig
wichtig ist, dann traut man sich nicht. Ich war doch tatsächlich nicht in
der Lage, meinen Mund aufzumachen und ihn zu fragen. Doch dann machte Peter
etwas, für das ich ihm sehr dankbar war. Er fragte Frank, ob er nicht noch
als kleine Gegenleistung fürs Fahren auf eine Tasse Kaffee mit nach oben
kommen wollte. Und Frank sagte zu. Neue Hoffnung kam in mir auf, als wir
Vier die Treppe hinauf ins dritte Stockwerk marschierten. Monika und Peter
hatten eine sehr nett eingerichtete Wohnung, was wohl in der Hauptsache
Monikas Verdienst war, denn sie hatte einen ausgefallen guten Geschmack.
Allerdings war die Behausung etwas klein und mein Gästebett war in Form
einer bezogenen Matratze im Wohnzimmer aufgebaut. Ich mußte Frank auch
gleich warnen, denn er war drauf und dran gerade darüber zu stolpern. Naja,
ein wenig trottelig. Vielleicht war er aber auch nur etwas überanstrengt.
Messebesuche nehmen einen wohl immer stark in Anspruch. Wir gingen in die
Küche und Monika setzte auch gleich einen Kaffee auf. Immer wieder sah ich
unauffällig zu Frank hinüber, der noch immer in der Tür stand. Herrje ist
der schüchtern. Peter mußte ihm erst einen Platz zuweisen, damit er endlich
hereinkam. Aber er sah einfach nur genial aus. Total süß. Und ich traute
mich nicht. Verflixt, ich war doch sonst nicht so. Ich begab mich erst
einmal zum Kühlschrank und holte unter allgemeiner Zustimmung einen
Mitternachtssnack heraus. Monika hatte gut eingekauft: Wurst, Käse,
Schinken und diese tollen kleinen Pepperoni aus dem Glas. Fand ich echt
lieb von ihr, daran zu denken, daß ich die so gerne esse. Der Kaffee war
nun auch fertig und wir setzten uns gemütlich um den Tisch herum. Was Frank
nicht wußte, ich inzwischen aber schon zu genüge kennengelernt hatte, war
Lori, der kleine Rabe von Monika. Den hatte sie schon, bevor sie nach
Ärmshausen gezogen war. Und dieser Rabe, der hatte die Angewohnheit, sich
zu melden, wenn er sich vernachlässigt fühlte. Doch dieses Melden war
unüberhörbar. So eine Lautstärke traute man dem kleinen Vogel gar nicht zu.
Frank war das Opfer, denn er hatte genau den Platz vor dem Käfig, den er
sicherlich noch nicht bemerkt hatte, denn der Käfig stand im Halbdunkel
zwischen allen möglichen andern Dingen in der Küche. Wir mußten kräftig
lachen, als Lori ihre Attacke loslies und Frank so zusammenschrak, daß ihm
fast das Messer aus der Hand gefallen wäre. Der arme Kerl. Auf den Schreck
reichte ihm Monika erst mal eine Tasse mit heißem, dampfenden Kaffee.
Schöne schlanke, lange Finger hatte Frank. Das fiel mir bereits im Auto
auf, und jetzt wieder, als er seine Hände um die Tasse legte.
"Petra", sagte ich mir, "reiß dich am Riehmen und tu endlich etwas." Ich
fand ihn so Klasse, aber irgendwie steckte mir ein Kloß im Hals. Das war
mir zuletzt vor drei Jahren passiert, damals, als ich Michael kennenlernte.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Aber bei Frank erging es mir
nun ähnlich. Während des Essens sah ich immer wieder zu ihm hinüber.
Ich hoffte, daß er mich einmal ansehen würde und ich ihm zulächeln könnte,
denn darin bin ich echt gut. Hat bisher schon fast immer gewirkt.
Dummerweise hatte ihn Peter in ein Gespräch über Psychologie verwickelt. Da
Peter das studiert hatte, sich also entsprechend auskannte, und Frank wohl
auch schon mit Psychologie zu tun gehabt hatte, waren die beiden schnell
nur noch mit sich beschäftigt. Hätte denn Frank nicht mal seine Psychologie
anwenden könnten, um zu überlegen, wie ich mich gerade fühlte. Aber er
wußte ja leider noch gar nicht, daß ich ihn so toll fand. Und es schien
auch nicht so, als würde sich an diesem Zustand irgend etwas ändern, denn
sie redeten und redeten. Ich half Monika beim Abdecken und stellte die
Sachen zurück in den Kühlschrank. Als wir beide uns dann am Spülbecken
trafen, stubste ich sie an und flüsterte ihr zu: "Du, ich finde Frank so
Klasse. Gib mir mal nen Tip, was ich machen soll. Er sieht mich überhaupt
nicht." Monika sah mich recht überrascht an. "Wie bist du denn drauf?
Damit hast du doch sonst keine Probleme." Dann sah sie zum Tisch, wo die
beiden saßen und immer noch redeten, dann sah sie mich wieder an, überlegte
kurz und meinte, daß sie da etwas arrangieren würde. Ich solle mich mal
wieder mit zu den beiden dazusetzen. "Danke," flüsterte ich ihr zu und
setzte mich mit einem Stuhl direkt neben Frank. Ich glaube, er hatte mich
gar nicht wahrgenommen. Doofer Typ, dachte ich mir. Und verflixt: Warum
hast du dich bloß so in ihn verschossen. Aber was viel schlimmer war, ich
war irgendwie handlungsunfähig. Ich hatte doch sonst nicht solche Probleme,
wenn es darum ging, die Typen anzugraben. Warum komme ich bei Frank nicht
weiter? Verlegen nahm ich eine dieser Knabberstangen und beschäftigte mich
mit Lori. Monika hatte inzwischen die Küche verlassen. Ich war gespannt,
was sie vorhatte. Ich sah mir Frank etwas genauer an. Wie alt mag er wohl
sein? Ich schätzte, höchstens drei Jahre älter als ich selbst. Die
Augenfarbe blau hatte sich inzwischen bestätigt. Was er wohl sonst für
Klamotten trägt? Ich hoffte, daß er nicht gerade einer von diesen Typen
war, die in klobigen Gesundheitsschuhen und mit überlangen Strickpullovern
herumliefen, so echt alternativ eben. Aber nein, das paßte nicht zu ihm.
Inzwischen waren schon wieder fünf Minuten herum, Monika war immer noch
weg, die beiden redeten immer noch und ich saß immer noch dumm herum. Daß
auch Peter nichts merkte, der ist doch sonst eigentlich immer ziemlich
feinfühlig, was solche Dinge angeht. "Unternimm endlich etwas," dachte ich
mir erneut und versuchte mich innerlich zu motivieren. Frank hatte seine
Zigarettenschachtel vor sich liegen. Das war die Möglichkeit. "Darf ich mir
eine Zigarette von dir nehmen?" sprach ich ihn an. "Meine sind gerade
alle."
Er drehte sich zu mir herum, ich lächelte ihn an. Ich hoffte, genau diesen
Blick drauf zu haben, der die Männer so anmacht. "Klar! Nimm dir ruhig
eine..." entgegnete er mir. Für zwei Sekunden trafen sich unsere Blicke.
Mir wurde ganz anders. Aber schon hatte er sich wieder Peter zugewandt.
Scheißkerl!
Sorry, aber das ging mir gerade so durch den Kopf. Ich nahm mir eine
Zigarette und beim Zurücklegen der Schachtel berührte ich ihn wie zufällig
am Arm. Mann, wann merkst Du es endlich. Ich zündete mir die Zigarette an,
blies den Rauch in die Luft und beschäftige Lori mit der Knabberstange,
während ich mir überlegte, was ich sonst noch machen könnte, daß er mich
endlich mal richtig wahrnahm. Sah ich denn so schlecht aus? Kann doch gar
nicht sein. Ich hatte mich für die Disco doch extra noch fit gemacht. Auf
einmal stand Monika in der Küchentur, nur mit BH und Slip bekleidet. Was
war das denn? Verdutzt sah ich sie an. "Kommst Du?" sprach sie Peter an und
warf ihm dabei einen auffordernden Blick zu. "Bin gleich wieder da,"
unterbrach er seine Diskussion mit Frank und verschwand mit Monika im
Wohnzimmer. Monika, ich danke Dir! Frank, seines Gesprächspartners beraubt,
drehte sich nun zu mir herum. "Jetzt!" sagte ich mir und überlegte, wie ich
es am besten angehen sollte. Herrje, warum ist mir nur nichts besseres
eingefallen. "Hast Du mal Psychologie studiert?" fragte ich ihn und ich
dachte mir, was das doch wohl für eine blöde Frage war, um ein Gespräch
anzufangen, welches mich bei ihm interessant machen sollte. "Nein, leider
nicht," bekam ich als Antwort zurück. Er erzählte mir, daß seine Eltern ihn
damals lieber eine Lehre machen lassen wollten und so weiter. Warum bloß
konnte ich mich nicht durchringen, ihn so richtig aufreizend anzublicken,
so wie ich es sonst immer drauf hatte. Stattdessen sah in den Käfig und
ärgerte Lori mit dem Kräcker.
Ich erzählte Frank, daß ich noch am Studieren bin: Musik. Überrascht war
ich dann, als er mir mitteilte, daß er ein Klassikfan sei. Das hatte ich
von ihm gar nicht erwartet, aber ich freute mich über eine Gemeinsamkeit,
über die wir reden konnten. Ich war innerlich total aufgewühlt und mir
kreisten alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Nach außen hin blieb ich
aber doch ziemlich kühl. Irgend etwas machte mich unsicher. Wir hatten uns
echt toll über Musik, Opern und Operetten unterhalten und ich merkte, daß
er mit Fan nicht übertrieben hatte, sondern sich wirklich auskannte. Jetzt
komm doch endlich mal auf den Punkt, sagte ich mir. Oder sollte ich mich
einfach an ihn lehnen, wie ich es auch schon oft getan habe, um jemanden zu
ermuntern, mehr zu machen, als nur zu reden. Ich hätte mich echt in den
Hintern beißen können, als ich nach zehn Minuten immer noch nichts
fertiggebracht hatte, und Frank meinte, daß es wohl an der Zeit wäre, zu
gehen. Auf meine Warum-Frage entgegnete er mir, daß es nicht danach
aussehen würde, daß Peter wiederkommt, und er auch nicht weiter stören
wollte. "Monika hat ihn wohl zum Schlafzimmerdienst verdonnert," entgegnete
ich ihm und warf Frank einen schmunzelnden, auffordernden Blick zu.
Aber irgendwie hatte er wohl eine lange Leitung oder wollte meinen Blick
einfach nicht kapieren. Er stand auf und ging leise ins Wohnzimmer. Ich
folgte ihm bis zur Tür. Er bat mich noch, Monika und Peter seinen besten
Dank für die Verpflegung auszurichten und war dann auch schon im
Treppenhaus verschwunden. Ich stand hinter der Tür und raufte mir die
Haare. Warum hast du ihn nicht gefragt, warum hast du dir nicht zumindest
die Telefonnummer geben lassen? Ob ich ihm gerade noch hinterherlaufe?
Nein, lieber nicht. Wie sähe das denn aus?
Plötzlich klopft es vor mir an der Türe. Ich bin richtig zusammengezuckt.
Ob Frank jetzt endlich geschaltet hatte? Ich öffnete. Es war tatsächlich
Frank. Ich sah ihn fragend an, brachte kein Wort heraus. Er sah mich an,
ein kleiner Schauer durchzuckte meinen Körper. "Jetzt, " dachte ich. "Er
hat`s gemerkt." Doch dem war wohl nicht so. "Äh, mein Mantel..." stammelte
er. Ich forderte ihn auf, doch eben noch einmal hereinzukommen, was er auch
gleich tat. Er ging an mir vorbei zur Garderobe, nahm sich dort seinen
Mantel. Darf das denn wahr sein?
Wie gelähmt stand ich an der Tür und blickte Frank an, unfähig irgendetwas
zu unternehmen. Er kam wieder zurück, blieb vor mir stehen und sah mich an.
"Tschüs," sagte er leise. "Laß ihn bloß nicht wieder weg," dachte ich mir
und Panikartig schossen mir wilde Gedanken durch den Kopf, wie ich das wohl
am besten anstellen sollte. Ich hätte ihn am liebsten umarmt und geküßt.
Aber ich stand da und rührte mich nicht. "Mach es," sagte ich mir, "mach
es!" Wie eine Ewigkeit kam es mir vor, obwohl es wohl nur fünf Sekunden
gewesen waren. Dann erwachte ich aus meiner Regungslosigkeit, ging einen
Schritt auf ihn zu und umarmte ihn einfach. Darauf schien er wohl gewartet
zu haben, denn auch er legte sofort seine Arme um mich. Ich dachte ich
versinke, war das herrlich. Ich drückte ihn fest an mich, spürte seine
männliche Brust, roch den aufregenden Duft seines Körpers vermischt mit
einer Idee herbem Rasierwassers. Ich war völlig hin und weg. Plötzlich
lockerte er seine Umarmung, unsere Gesichter kamen voreinander. Ich sah in
zwei himmlisch blaue Augen, die mich tief anblickten. Vorsichtig bewegte
ich mein Gesicht auf ihn zu, berührte sanft seine Lippen mit meinen,
öffnete meinen Mund ein wenig und tastete mit meiner Zungenspitze sanft
über seine Oberlippe. Auf einmal war alles so einfach. Wie hatte ich mich
doch blöde angestellt. Ich hörte unseren Atem, mein Herz pochte, meine
Hände zitterten vor Aufregung ein wenig. Ich sah ihm weiterhin tief in die
Augen, doch als auch er mit seiner Zunge auf Wanderschaft ging und
schließlich Meine berührte, versank ich in Gefühlen und meine Augen
schlossen sich von ganz alleine. Ich drückte mich fester an ihn, preßte
meine Lippen auf seinen Mund. Unsere Zungen spielten umeinander, erkundeten
den Mund des anderen. Ich war völlig benommen. Die Gefühle kreisten durch
meinen Körper und überhaupt alles schien sich zu drehen und zu fliegen.
Irgendwie sanken wir zu Boden und landeten auf der Matratze, die Peter für
mich ins Wohnzimmer gelegt hatte. Besser hätte es gar nicht kommen können.
Fest umschlungen küßten wir uns auf der weichen Unterlage und mir war so
herrlich, daß ich alles um mich herum vergaß und drei Meter in die Luft
hätte springen können. Während er mir zärtlich über den Rücken strich,
wanderten meine Hände über seine starken Schultern in seine weichen Haare.
Ich räkelte mich in seinen Armen, die Zeit wurde für uns angehalten. Es war
ein Fühlen ohne Ende. Völlig aufgewühlt lag ich eng an ihn gedrückt auf der
Matratze, spürte seinen männlichen Körper, seine Nähe, seine Wärme, seinen
Duft, seine Zärtlichkeit, seine Geborgenheit. Je mehr er mich drückte,
desto wohler fühlte ich mich, desto mehr rauschten die warmen Wogen durch
meinen Körper. Ich war völlig glücklich. Wir liebkosten und streichelten
uns, gaben uns ganz dem Rausch der Gefühle hin. Ich genoß es in vollen
Zügen, als er vorsichtig seine Hand unter meine Bluse schob und mir
zärtlich über meine nackte Haut strich. Ich genoß dies erregende Gefühl,
nicht zu wissen, was er wohl als nächstes machen würde, wo seine Hände sich
als nächstes hinbegeben würden. Ich fühlte mich wie im siebten Himmel und
ließ mich von Liebkosungen verwöhnen. Er knöpfte mir die Bluse auf und
küsste mich überall. Ich spürte seine heißen Lippen auf meiner Haut und
genoss die Schauer, die mir dabei durch meinen Körper liefen. Er zog mich
langsam und gefühlvoll aus und auch ich begann bei ihm die Kleidung zu
unterwandern und Stück für Stück beiseite zu legen. Wir streichelten uns
von oben bis unten, schmiegten unsere Körper aneinander und spürten die
warme Haut des Andern auf der Eigenen liegen.
Wir küssten uns, schenkten uns gegenseitig tiefe Zärtlichkeiten, klammerten
uns mit Armen und Beinen aneinander und genoßen eng umschlungen die
Berührungen unserer Körper. Die Erregung lief in mir auf und ab, ich gab
mich ihm völlig hin. Er spürte alle meine Wünsche und erfüllte mich mit
einem Glücksgefühl, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Seine
Hände glitten über meine Haut, streichelten mich überall, erregten mich
ohne Ende. Er war wunderbar zu mir, ein Traum von Liebhaber. Ich wand mich
in seinen Armen, genoß, wie ich ihm mein Innerstes preisgab und er sich
langsam in mich hinein- schob. Ich berauschte mich an dem Gefühl, mit ihm
eins zu werden, nur noch uns selbst zu spüren und alles um uns herum zu
vergessen. Es gab nur noch uns, tiefe Emotionen, Körper, die sich hin und
her bewegten, Schauer, die wie Raketen durch den Körper schoßen,
Glücksgefühle, die sich bis in die letzte Haarspitze ausbreiteten. Mit
jedem Stoß entrückte ich ein Stückchen mehr der realen Welt und schwebte
immer weiter in einer wogenden Welle aus prickelnder Leidenschaft. Ich
spürte nicht mehr mich selbst, ich spürte nur noch einen Bauch voller
Erregung, einen Kopf voller Gefühle und einen Mann, der es verstand eine
Frau ins Paradies zu bringen. Wir versanken in unseren Emotionen und
Phantasien und erlebten eine Nacht voll überquellender Energie,
Zärtlichkeit und Hingabe. Irgendwann sind wir dann, eng aneinander
gekuschelt, glücklich eingeschlafen. Am nächsten Morgen, als wir
aufwachten, sahen wir uns lange an. Dann küßten wir uns innig, schmiegten
uns fest aneinander und wußten, daß das nicht die einzige Nacht bleiben
würde, die wir miteinander verbringen würden.
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