Eine autobiographische Kurzgeschichte aus den Tropen
von Franx Xaver
Privatdruck, 1998 München, /30 3.A.
Meine Frau sah ich zum ersten mal etwa 1987. Nur kurz, ohne sie richtig zu
bemerken, aber das Bild wo sie saß, habe ich genau vor Augen. Es war ein
bürgerliches Haus mittlerer Größe, in der Stadtmitte von B. Das Grundstück
lag an einer welligen Lehmstraße, diese hatte nichts in dem afrikanischem Land
zu bedeuten, die besten Grundstücke konnten schier unzugänglich sein, Straßen
mit Schlaglöchern und anderen Unzu- länglichkeiten. Y. saß im Garten an einem
Tisch, unter einem Baum, es mußte ein Mangobaum gewesen sein und sie lernte
für die Schule. Mehr weiß ich nicht mehr, später sagte sie mir, daß sie mich
mit ziemlich äzweifelhaften Gedanken" begutachtete, äWas der Muzungu- der
Weiße, denn hier mit ihrer Schwester wollte ?". Ich be- suchte ihre ältere
Schwester A. Mit A. lief nicht viel, warum erinnere ich auch nicht mehr, wohl
eine der kleinen Unzulänglichkeiten des Lebens, ich weiß nur noch, daß A.
recht verrückt und ausgeflippt in einer boite de nuit tanzte und mir sie so
auffiel, das üblichere war doch, in dieser ostafrikanischen Elitenkultur, daß
Mädels sich etwas zurückhaltend verhielten und auf ihren Stil, Ruf und
Benehmen achteten.
Nun, es mußte bestimmt ein Jahr vergangen sein, bevor mir die kecke,
zierliche Y. wieder über den Weg lief. Sie begegnete mir vor dem NOVOTEL, sie
war mit einer Freundin unter- wegs, ich beachtet sie wohl nicht, aber sie rief
mir etwas zu, ich blieb stehen und wurde neu- gierig, sie erzählte mir wer sie
sei, und wir ver- abredeten uns. Bestimmt war sie wie oft, mit einer ihrer
attraktiven Freundinnen unterwegs. An den ersten Besuch bei mir zuhause,
erinnere ich mich nur noch vage, nur eins habe ich noch gut im Kopf, als sie
mich fragte, ihren Geburts- tag in meinem Haus feiern zu können. Auch diese
Geburtstagsparty ist mehr oder we- niger aus meinem Gedächtnis verschwunden,
ich hatte so viel Feste zuhause, es waren bestimmt viele junge Leute da, wir
hatten Spaß und fun, so wie oft bei mir. Das lästigste war, daß ich spät
nachts, die meisten meiner Besucher noch nach Hause fahren mußte. Eine Story an
diesem Geburtstagsfest hätte mir aber bereits zu diesem Zeitpunkt, ein Warnzeichen zum Charakter meiner Frau sein sollen. Ich hatte zuhause, in der Küche,
meist nur einen se- lektierten Vorrat an Getränken: ein Tragerl mit Cola, ein
Tragerl mit Mineralwasser, ein Tragerl Bier und ein Tragerl gelb-grüne Fanta
Limonade mit Zitronengeschmack. Es gab da noch die orangene Fanta Limonade ,
aber die tat ich prin- zipiell nicht nach Hause, erstens schmeckte sie mir
nicht, zweitens sollten Gäste mit meiner bestehenden Auswahl zufrieden sein.
Nun, als wir die Party besprachen, wollte Y. zwar auch äorangene Fanta"
eingekauft haben, aber ich ignorierte dies. Später merkte sie, daß die
orangene Limonade fehlte, sie machte so einen Zirkus und Wirbel darum und konnte
nicht akzeptieren, daß das orangene Fanta fehlte, so daß ich mich mißmutig
ins Auto setzte und noch ein Tragerl dieses orangenen Zuckerwassers holte.
Die nächste Aktion, uns näher zu kommen, war ein Besuch im Landesinneren,
wir besuchten einen jungen spanischen Arzt, einen Bekannten, Ntita hieß die
Missionsstation. Wir fuhren einen halben Tag mit meinem holprigen Landcruser ins
Landesinnere. Es waren weitläufige Gebäude dort und es dauerte eine Weile, bis
wir Xavier?s Haus ausfindig machen konnten. Ich war wohl mit drei oder vier
Mädels unterwegs, Y. dann Anita, Michline und noch eine Dünne, an deren Namen
ich mich im Augenblick nicht erinnere.
Es gab abends Diskussionen über die Schlaf- plätze und ich panikte schon,
alleine im Bett schlafen zu müssen und die Girls in den anderen Zimmern, ich
bestand aber darauf, mit den Girls im gleichen Zimmer zu sein und Y. mußte wohl
neben mir gelegen haben. Viel mag sich des Nachts nicht getan haben, jedes der
Mädels mag sich wohl beobachtet gefühlt haben.
Am nächsten Tag fuhren wir über die Seeküste des Lakes Tanganjika zurück
und das was un- terwegs passierte, hätte mir eine weitere ernste Warnung, für
die zukünftige Beziehung mit mei- ner Frau sein sollen !! Ich war des Fahrens
müde, schließlich war ich es, der das schwer gängige Steuerrad meines alten
Landcrusers um alle Kurven ziehen mußte. Y. wollte unbedingt in Rumonge, einem
hüb- schen Fischerdorf, noch einen Typen besuchen, ich hatte keine Lust für
weitere Stops, ich wollte vor Dunkelheit wieder in der Hauptstadt ankommen. Es
entbrannte so ein Streit und sol- che Dickköpfigkeit, daß Y. den Wagen
anhalten ließ, um auszusteigen und zurückzubleiben, um ihre Idee
durchzusetzen. Wir sollten sie zu- rücklassen und sie würde selbst dafür
sorgen, zurück zu kommen. Nun die anderen Girls über- redeten sie vehement,
von dem Trip abzusehen und schließlich blieben wir zusammen, aber dies war der
Schlüsselpunkt unserer Beziehung, beide hatten wir hier ähnliche Charakter, es
war uns schwer, von vorgefaßten Ideen abzulassen.
Es dauerte wohl eine weitere Woche, bis Y. bei mir alleine übernachtet, sie
war nervös und zitt- rig, ich erinnere mich noch, wie sie neben mir saß, auf
der Couch im Salon und ihre Hand zit- terte, wir amüsierten uns wohl beide
darüber. Als sie später zu mir ins Bett kam, hatte sie wohl drei Shorts und
Slips übergestreift, um jeglicher nächtlichen Verführung vorzubeugen! Morgens
erinnere ich mich noch, wie ich auf ihr lag, wir ätrocken" unsere bodies und
Vorderteile aneinander drückten und einigen erotischen- oberflächlichen Spaß
hatten, ich machte auch ein paar Witze und sie war sehr erstaunt, mich von einer
charmanten, witzigen Seite kennen zu ler- nen. Es sollte noch eine ganze Weile
dauern, bis wir echten Sex hatten. Die äUnterhosenstory" fand ich aber
insbe- sondere ganz bemerkenswert, denn ich kannte die Mädchen aus B. fast
ausnahmslos so, daß wenn man sie in der Disko fragte, äKommst Du mit
nachhause zu mir ?", äSi tu veux - wenn Du möchtest / meinst!" Inzwischen
ging ich wohl bei ihrer Familie ein und aus, lernte die Brüder und Onkels
kennen, ihr Papa war schon gestorben, aber ich erinnerte mich, ihn einmal
gesehen zu haben, als ich zuvor ihre Schwester besuchte. Er war von großer, respektabler Gestalt. Ich mochte Y., sie war fit, intelligent und hübsch und ein
klein wenig unkonventionell, da ich eine Freundin oder Frau suchte, für Familie
und Zu- sammensein, entschloß ich mich, es mit ihr ern- ster zu nehmen. Auch
sie schien mich zu mögen, manchmal machte sie Bemerkungen, daß ich keinen
guten Ruf als äRaster" hätte, ich mit al- lerlei unseriösen Mädels
rumziehen würde äTu n?est pas serieux - du bist nicht seriös", nun in
das burundische Bild von Bürgerlichkeit, paßte meine Ungezwungenheit nicht,
aber so war ich halt mal, der Swami, als Energieexperte für die amerikanische
Regierung tätig, nach Ostafrika verschlagen. Das Land war zu jener Zeit noch
schön und unbekümmert, man konnte zu jeder Zeit und überall rumziehen, und
die Menschen waren freundlich, ein paar Jahre später war alles, durch den
Bürgerkrieg, der von Ruanda aus reingetragen wurde, aus-und-vorbei.
Ich erinnere mich noch an unsere sonntäglichen Jogingtouren, wir wohnten in
einem Bungalow mit Palmen in der Nähe des großen Sees, das Sportministerium
machte Sport und Bewegung publik, und alle möglichen jungen Leute jogten und
liefen am Wochenende, die Straße am See entlang, auch wir versuchten uns und
ich er- innerte mich, wie ich Seitenstechen bekam und mir meine Freundin davon
lief.
Ich war nicht mehr lange in dem Land, eine Ar- beit in der Sahara, in der
Sahelzone wartet auf mich, es muß Frühsommer 1991 gewesen sein, ich beschloß
Y. mir nicht äauskommen" zu lassen und verabredet mich mit ihr, zu einem
Urlaub im Sommer in Kenia, um ihr zu zeigen, daß ich es ernst meinte mit ihr und um uns besser kennen zulernen. Wir trafen uns tat- sächlich in Nairobi, ich
holte sie vom Flughafen ab und wir blieben ein, zwei Tage in der Haupt- stadt,
wir fuhren mit dem Zug, dem berühmten Silberwagen, an die Küste, in Lamu war
es, wo wir in einem alten Guesthouse übernachteten; in einem Himmelbett mit
Baldachin passierte es und dort gab sie mir ihre, bis dahin zurück- haltende
Sexualität preis. Fortan hatten wir meist viel Spaß, Sex zu machen und waren
auch sonst glücklich und verliebt.
Eine kleine Anekdote zum Rückflug, wir saßen in einer kleinen fünfsitzigen
Propellermaschine, auf der staubigen Startbahn von Lamu, ein schlaksiger,
indischer junger Pilot, sollte uns fliegen, das Flugbenzin wurde in den Stutzen
am Flügel geschüttet, ein Stoffetzen hielt als Filter her, um Sand und
Verschmutzungen davor zu bewahren, in den Tank zu gelangen ! Ich beob- achtete
akribisch den Vorgang. Kurz vor Ende der Befüllung, rutschte das Ende des
Stoffetzens mit dem ganzem Dreck ins Tankloch. Shit, ich schien auszuflippen und
sah der Flugtour mit gemischten Gefühlen entgegen und rechnete jede Minute, mit
Aussetzern der zwei Motoren. Ich überlegte ernsthaft mit Y. aus dem kleinen
Flie- ger auszusteigen. Der Flug war wackelig und saukalt, die Heizungsdüsen
waren schlecht ein- gestellt, ich kritzelte ein complaint über die schlechte
Heizung auf einen Fetzen Papier und schob es in die Kabine des Piloten vor, der
rüt- telte an ein paar Hebeln, aber nichts änderte sich. Am kleinen Flughafen
der Privatmaschinen (Wilson Airport ?) nahm uns ein Kenianer mit ins
Stadtzentrum von Nairobi, er promotete eine Wiskeymarke und gab uns ein paar
Proben mit.
Wir waren dann noch in einem Park, auf Safari Tour und ich erinnerte mich,
wie wir nachts an- einanderklebten, weil ein paar Löwen in schein- bar
unmittelbarer Nähe der Zeltwand brüllten. Am nächsten Tag erklärte uns der
guide, daß das Löwengebrüll über Kilometer hörbar ist.
Ich kehrte wieder in mein heißes Dorf T. am Rande der Sahara zurück um dort
weitere Monate zu arbeiten. Ich hatte ganz schön fun und Erlebnisse dort und
werde die mir sehr geschätzte Bevölkerung der Tuareg Nomaden nicht vergessen !
_ _ _
Wieder zurück in Burundi - da kam dieser verhängnisvolle Anruf am Sams- tag
dem vierten Januar 1992. Meine Mutter war am Tag vorher, schwerstens bei einem
Sportun- fall mit einem Heißluftballon verunglückt und lag halbtot im Koma auf
der Intensivstation.
Ich werde nie vergessen wie Y. sagte, wir müs- sen für meine Mutter beten.
Wir zündeten Ker- zen an, saßen auf den Boden und sie sprach ein paar
Vaterunser auf französisch vor, dann ka- men die ganze Gebete auf arabisch, ihr
Stiefvater und ihre jüngeren Brüder und Schwestern waren Moslems. Ich war tief
beeindruckt von dieser spontanen religiösen Aktion, ich selbst wäre wohl nie
darauf gekommen.
In Hast traf ich die letzten Vorbereitungen, zu- erst wollte ich das nächst
mögliche Flugzeug nehmen, da die medizinische Situation im Koma sich
stabilisierte, flog ich ein paar Tage später als geplant, ins bayerische
Voralpenland.
In Deutschland war Winter, im Februar be- suchte mich Y. Bei tiefsten
Schneetreiben kam sie an und wir fuhren im Schneesturm zu mei- nem Heimatort.
Die dicken Schneeflocken klat- schten an die Scheiben des Kleinwagens und ich
mußte aufpassen, auf der Straße nicht stecken zu bleiben ! Das erste was ich
tat war, daß wir dicke Strümpfe für Y. kauften, bevor wir weiter- fuhren.
Später war sie nie ein großer Freund von Europa, ob es an diesen ersten
Eindrücken lag ?
Im Juli 1992 flogen wir gemeinsam nach Italien, um im Ferienhaus meiner
Mutter auf Ischia, zwei Wochen Urlaub zu machen. Ich erinnere ich noch, wie ich
ein paar Tage vor dem tragi- schen Unfall, der Mutter einen Brief schickte mit
der Anfrage, ob das Ferienhaus in der Zeit im Sommer frei wäre, sie kam nicht
mehr dazu den Brief zu lesen ! Ich arrangierte es so, daß Y.?s Schwester A.
mit ihrem Mann M. aus Belgien, zu uns auf Besuch kamen. Wir waren zu viert in
dem Haus, aber die Stimmung war nicht allzu groß. Es nervte mich, daß A. mit
Stolz, meistens das Essen aus Konserven zubereitet, obwohl wir im Frischgemüseparadies Italiens waren, am letzten Abend lud ich alle teuer in ein
Fischrestaurant an der Mole ein und A. begann alles auszukot- zen. Auch Y. war
dieser Tage schwierig, von äLiebe" war wenig zu spüren und ich wußte nicht
so recht, was am Zuge war! Sie besuchte anschließend noch ihre Schwester A. in
Belgien, zuerst sollte sie mit dem Zug dorthin, aber ich hatte etwas Einsicht
und bezahlte ihr das Flug- ticket direkt nach Brüssel. Ich kam sowieso für
alle Aufwendungen von Y. hundertprozentig auf, den Job den sie später an dem
Ministerium für einige Monate machte, dafür bekam sie viel- leicht 300 DM pro
Monat. Soweit ich mich recht erinnere, wollte sich Y. nach Italien von mir
trennen, sie sagte mir dies am Telephon, als sie bei ihrer Schwester war. Ich
überredete sie, bei mir zu bleiben.
Im Herbst 1992 verlobten wir uns, genauer ge- sagt am 17. Oktober. La dôte
wie es in Burundi hieß. Es lief ganz gut, ich war in Deutschland, flog nach
Burundi zurück und ein, zwei Tage später war die Verlobung, ich mußte mich um
nichts kümmern, außer, daß ich einen guten An- zug mit hatte, es war ein rosa
Seidenjacket und ich beteiligte mich mit ca. 120.000 FBU an den Feierlichkeiten,
dies waren wohl weniger als 1000DM. Ich genoß diesen Samstag nachmittag, es
wurden große Zelte aufgestellt, Sessel, Bänke und Stühle, äich müßte nur
auf dem dicken Pol- stersessel sitzen und den Mund halten", hieß es,
Kommentare und Aktivitäten meinerseits waren für diese Zeremonie unerwünscht.
Ein Freund T., sprach für mich an ämeines Vater?s Stelle" und handelte
den Deal mit der Familie meiner Frau aus, der Wert von vier Kühen war es. Der
Betrag wurde in einem Umschlag an die Eltern übergeben, der Wert einer Kuh war
30.000 FBU. Ein paar hundert Menschen mögen ge- kommen sein ! EinigeTage
später zogen wir in die neue angemietete Villa im Ortsteil Kinindo um, den
alten Bungalow am See mußte ich räumen, angeblich sollte das Gebäude verkauft
werden.
Ich erinnere mich noch, als Y. mir sagte, daß ich ihr äTraum- und Superman"
sei, als wir über die geplante Verlobung sprachen.
Unser neues Eheleben hackt schon von Anfang an daran, daß Y. sich nicht so
recht einordnen wollte und sie sehr eitel und kapriziös war, sie bestand auf
ihr eigenes Zimmer und die Nächte im gemeinsamen Ehebett waren wohl gezählt,
ich machte eine Bemerkung über diesen Zu- stand, zu ihrem ältesten Bruder P.,
er stand an ihres Vater?s Stelle, als Ältester, und er sagte mir, er würde
dies niemals dulden, ein gemein- sames Ehebett, würde allein schon durch die
änächtliche Gewöhnung", die Partner enger binden.
Aber Y. wollte beides, sie wollte den Status, mit einem reichen Ausländer
zusammen zu sein und sie wollte ihr Studentendasein ungeniert ausle- ben.
Der nächste Konflikt war das Auto, sie begann zu arbeiten, sie hatte ihren
zweijährigen Ab- schluß als äSecr?riat du Direction - gehobene
Sekretärin" gemacht und begann einen Job im Gesundheitsministerium, bald
quenkste und reklamierte sie, ädaß sie einen Wagen bräuchte, um zur Arbeit
zu fahren". Sie war sich zu gut, sich morgens in den Bus zu setzen, ich widersetzte mich dieser Idee und wollte sie zwingen, sich an eine gewisse
Bescheidenheit zu gewöh- nen, aber da war ich an der falschen Person, ich gab
bald auf und kaufte einen kleinen, gebrauch- ten Fiat UNO, aber ich kaufte ihn
für mich, denn normalerweise fuhr ich inzwischen einen Transportbus und wir
einigten uns so, daß ich ihr meinen äZweitwagen" lieh. Auch ihr Bruder
stellte sich ganz vehement dagegen, daß sie ein eigenes Auto reklamieren
konnte.
Wir blieben nur ein paar Monate in dem Haus, ich hatte begonnen mein eigenes
Haus zu bauen, ein Teil davon, ein Apartment als Annex, war schon fertig und ich
wollte in der Nähe meiner Baustelle wohnen. Das Haus lag sehr schön am Rande
der Stadt, mit Blick auf den See Tanga- njika und auf Bananenhaine, später als
der Bürgerkrieg kam, stellte sich diese änatur- verbundene Abgeschiedenheit",
als großer Fauxpas heraus!
Meine Verlobte war mit der abgelegenen Lage des Hauses unzufrieden, und sie
begann sich halb bei ihren Eltern in der Stadtmitte einzu- quartieren und war
nur ab und zu bei mir ! Ich mußte in dieser Zeit auch mehrere Flüge nach
Deutschland unternehmen.
Im Sommer 1993 planten wir eine Reise nach Indien / Puna, ich war ein
Anhänger vom Philo- sophen Rajneesh Osho und ich wollte Y. die Welt der
Meditation erläutern. Burundi war ja nun da ein wenig am A. der Welt und ein
wenig Aufklärung und Weltkenntnis, konnte nicht schaden. Ein Konflikt bestand
darin, daß Y. erst ein paar Monate im Gesundheitsministerium arbeitete, ich
überredete sie den Job zu kündigen, ich würde mich für eine neue Ausbildung
für sie später kümmern. Nun für 300 DM Lohn, war die Job wohl nicht einmalig
in der Welt. Eine Woche vor Abflug stellte sich ein neues Hinder- nis heraus, es
bestand die Möglichkeit, daß Y. schwanger war, änur dies nicht jetzt",
dachte ich mir und hatte wenig Lust die lange geplante Reise zu verschieben. Die
Familie war besorgt über unser Reisevorhaben, Indien war ihnen ein wenig
einschätzbarer Faktor und nichts Gutes schien von dort zu kommen, außer Armut
und Schmutz; und es mußte sie gewundert haben, daß ich Geld für Flugtickets
dorthin ausgeben wollte. Aber ich stellte es mir ja so vor, daß meine Frau auch
dies alles kennen sollte, was mich so hier im Dasein beeindruckte.
In Bombay angekommen, fuhren wir erst mal mit dem Zug nach Goa, ich erinnerte
mich wie ich im Zug traurig wurde: es fiel mir meine frü- here Freundin J. ein,
wir waren zu einer Zeit recht gut zusammen, jetzt ist sie irgendwo und ich weiß
nichts von ihr und ähnlich kann es auch uns Zweien ergehen, irgendwann in
ferner, oder nicht so ferner Zukunft, der Andere kann ver- recken und keiner
weiß vom Andern. Goa war mäßig, der Sommermonsun war eine einschränkende
Zeit, vom Wind gepeitschte Wasserschwaden entlang der Uferprommende - alle paar
Minuten, es waren wenig Leute unter- wegs, ohne der Freaks war Goa nicht Goa und
die Faszination, die Goa an den X-MAS Tagen normalerweise hatte, davon war
nichts zu ver- spüren. Ein Schwangerschaftstest war auch nicht auf Anhieb zu
bekommen, Y. bekam einen Anfall, weil sie meinte, ich kümmere mich zu wenig in
dieser Sache um sie. Endlich brachte ich den Test an, eine Plastikpalette mit
zwei Grüb- chen, eine davon sollte sie dunkel oder trübe färben. Sie wußte
wohl schon, daß sie schwan- ger war. Sie wollte mich prüfen, erst tat sie so,
daß der Test negativ ist, ich bedauerte es ein wenig, dann sagte sie, daß die
Urinprobe doch eine Schwangerschaft anzeigen würde, ich freute mich
dreiviertelt und war nahe bei ihr; ich sagte ihr, daß wir nach Weihnachten
heiraten könnten, dies war ihr zu spät, sie wollte nicht ämit dickem Bauch
heiraten", nun vor und an Weihnachten, sei es keine gute Zeit zu heiraten,
sagte ich ihr. Anschließend war sie schlecht drauf. Wir fuhren weiter zum
Ashram nach Puna.
Wir machten Meditationen und es schien ihr einigermaßen zu gefallen, wir
kauften uns rote Roben und liefen in diesen Gewändern im Ashram rum. Ein
Samstag war es und wir wur- den recht krank, ich um zwölf, sie um zwei Uhr, mit
hohem Fieber lagen wir für eine Woche im Hotelzimmer, war wenig lustig, das
Hospital legte eine Blutkultur an, aber es war kein Virus zu finden. Nach einer
Woche ging es uns besser, ich lud meine zukünftige Frau zu einem Dinner im
Foyer eines modernen Hotels ein, ich erin- nere mich an die vielen vergoldeten
Griffe und Handläufe des Interieurs. Dort kam der Hammer: sie schien wohl
gelaunt zu sein und sagte so ganz nebenbei, äwenn ich nicht ein Stück Papier
unterschreiben würde, daß ich für das heritage- das Erbe des Kindes aufkommen
würde, würde sie das Kind abtreiben lassen", ich glaubte meinen Ohren nicht
zu hören, jetzt endlich, wo nach Jahrzehnten Nachwuchs da war, diese Worte !
Diese Erpressung, spinnt sie, dreht sie total durch ! Geschockt gab ich still
den Zettel zurück, ich sprach kein Wort mehr danach, stumm, schwei- gend und
betroffen setzten wir uns in eine Rikscha und fuhren zum Hotel, dort hielt ich
es nicht mehr neben ihr im Bett aus und ging aus dem Zimmer und übernachtete in
irgendeiner Kammer des Hotels ! Ich erinnere mich noch an die abscheulichen
Moskitos, die mich so die ganze Nacht bissen.
Sie schien etwas guter Laune zu sein, nahm auf jeden Fall, meinen Zustand
nicht als höchste Alarmstufe ernst. Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen,
wenn ich geschrien und getobt hätte, anstatt den Märtyrer zu spielen. Es war
vorgesehen, am nächsten Tag in eine Wohnung umzuziehen, wir brachten die Dinge
dort hin, sie ging zur Meditationen, ich war schweigend und betroffen die ganze
Zeit und machte mich zum Reisebüro auf und buchte am nächsten Tag, fest
entschloßen, den Rückflug in meine afrikanische Wahlheimat. Ich wollte ihr
nichts davon sagen, sonst hätte sie mich wohl daran gehindert, oder mich
überredet da zu blei- ben. Ich glaube, ich wollte sie für die Anmaßung, das
Kind entfernen zu lassen, bestrafen. Auf jeden- fall war es mir mehr als absurd
und unmöglich, um unser Kind zu handeln, zu schachern und einen Deal zu
machen!! Ein wenig mehr bestimmend zu sein, hätte wohl in der Situation,
unserem multi-kulturellem Verhältnis, nicht geschadet. Aber im nachhinein kann
man vieles besser wissen.
Ich hinterließ ihr einen Zettel, der etwa so lau- tete: äWenn sie unser
Kind nicht behalten wollte, dann würde auch sie mich nicht mehr lieben; wenn
sie mich nicht lieben würde, dann hätte ich nichts mehr neben ihr verloren und
würde gehen. Bye." Sie hatte Geld für ein paar Wochen, einen gebuchten
Rückflug, eine Unter- kunft und schon ein paar Bekannte und genug Zeit zum
Nachdenken was sie anstellte, ich ging zum Taxi und machte mich auf, zu der
obskuren Fahrt zurück nach Bombay. Die Fahrt alleine im Taxi dauerte lange und
meine Gefühle waren mehr als makaber. Aber ich dachte nicht daran, daß sie den
Mut hätte, das Kind wegmachen zu lassen und hoffte, daß alles gut gehen
würde. Etwas unwohl war mir auch dabei, daß die Fie- berwoche dem Fötus wohl
bestimmt nicht gut getan haben konnte.
Ich kam in B. an, nach ein paar Tagen mußte ich wohl oder übel zu meiner
Schwiegerfamilie ge- hen und sagen, daß Y. äeine Woche später kom- men
würde". Ich weiß nicht mehr, welche schlechte Ausrede ich gebrauchte,
vielleicht, daß sie bei ihrer Cousine in Nairobi Stop machte. Als Y. nach zwei
Wochen immer noch nicht da war, wurden alle noch unruhiger und ich mußte wohl
mit den ganzen Details unserer Katastro- phe herausrücken, nun eine Abtreibung
war in B. verpönt und dies gab mir ein wenig Kredit, aber die Schwiegermutter
wollte vor allen Din- gen ihre Tochter wiederhaben, egal was sonst war.
Irgendwann kam Nachricht, daß Y. nun in Nairobi sei, bei einer Cousine, aber
daß sie nicht zurückkommen würde. Immerhin, ich war halb beruhigt. Aber sie
kam nicht, weitere Wochen vergingen, es wurden Telephongespräche ge- führt,
aber Y. weigerte sich ganz einfach heim- zukehren, ihre Mutter sprach mit ihr.
Ich ließ sie fragen sie äob das Kind noch da sei", äJa", allgemeine
Erleichterung allerseits, auch von mir, äalso doch wie gehofft".
Tag auf Tag verging, das Flugzeug kam zwei mal die Woche, eine Flugstunde
weg, jedesmal war- teten wir am Flughafen, vergebens, die Begeg- nungen mit der
Familie wurden immer unange- nehmer für mich. Ich organisierte Flugtickets nach
N. für die Mut- ter und den Bruder, denn mich wollte Y. nicht sehen, aber es
gab irgendwelche Komplika- tionen, ich glaube der Schwiegermutter?s Paß war
ungültig.
Dann kam der Einfall, die Mutter rief wieder an, sagte, daß äsie im
Sterben lag" und flugs war die Tochter im nächsten Flugzeug. Wir umarmten uns
am Flughafen sehr tief, innig und lange, wir fuhren zur Stadt, ich wollte, daß
sie zu mir kam, aber sie machte die für mich enttäuschende Entscheidung, nicht
zu mir zu kommen, sondern heimzufahren zu ihrer Mut- ter. Ich schaute auf ihren
Bauch, es war keine Wölbung zu vernehmen. Ich setzte sie und ihre Brüder ab
und versprach später vorbeizukom- men. Ich bereitet ein Dinner für den Abend
vor, kaufte Schinken und andere feine Sachen und Wein und Sekt. Sie sagte mir
später, daß das Gefühl für sie am Flughafen voller Leidenschaft und
Vergebung war, als wir uns bei ihrer An- kunft lange in den Armen lagen.
Y. mußte inzwischen zuhause getobt haben, als sie merkte, daß es ihrer
Mutter gar nicht so schlecht ging und sie so etwas getäuscht wurde, aber wohl
zu aller Vorteil. Als ich vorbeikam war die Stimmung gedrückt, ich wollte meine
Frau bei mir haben, weiter nichts, äwann sie denn zu mir käme", fragte ich,
sie machte auf die Unbekümmerte und meinte ädans quelques jours - in einigen
Tagen", nun reichte es mir aber, ich bekam einen cholerischen Anfall, schrie
irgend etwas, knallte die Türe zu und stiebte zum Wagen und drehte mit
heulenden Reifen davon, ein Bruder kam noch verschreckt mit aufgerissenen Augen
hinterher und wollte mich zum dableiben überreden, aber ich war nicht zu
halten.
Nun, Zuviel ist zuviel und ich hatte nicht vor, mir den restlichen Tag
vermiesen zu lassen und das gute Essen alleine in Mißmut zu vertilgen. Ich fuhr
bei einer aparten jungen Dame vorbei, die in meiner Nachbarschaft wohnte, sie
hatte einen ähnlichen Namen Y. Schon ein paarmal hatten wir darüber gesprochen
uns zu treffen, ich hoffte, daß es jetzt sein könnte. Sie war zu- hause, äTu
veux me visiter - magst Du mich be- suchen?", äAber sicher", sie zog sich
kurz um und stieg bei mir ins Auto und die Welt war wieder halb in Ordnung. Bei
romantischem Abendlicht auf meiner Terrasse mit Blick auf den See, genossen wir
unser Dinner und es ge- lang mir ganz gut, meinen Frust in gute Stim- mung zu
verwandeln. Y. rief irgendwann an, äSie möchte mich jetzt doch sehen",
meinte sie. Ich antworte ihr, ädaß wir es so halten sollten, wie sie es
vorgeschlagen hätte: in ein paar Tagen". Sie fragte dann auch noch, ob ich
alleine sei und ich sagte "Nein" und legte auf, das muß ihr wohl furchtbar
gestunken haben ! Meine hübsche Gesellschafterin dieses Abends zeichnete sie
durch eine besondere Begabung aus, mir meine Ohren und Ohresinneren mit ihren
Fingerspitzen zu liebkosen, dies ist eine afrikanische Spezialität, aber sie
war besonders umwerfend und unvergeßlich hierin !
Y. sah ich einige Tage später, unser Eheleben renkte sich wieder ein und sie
zog zu mir. Mein Haus nahm Formen an, der Garten war sehr groß und weitläufig
und Y. hatte die Idee doch unten, da wo auch der Swimmingpool sein hätte
können, eine Cabane, eine Bambuspajotte zu bauen und OSHO?s Meditation dort
zu machen, als kleines Center, auch für Andere.
Ich begann über das Baby zu reden, wie es hei- ßen sollte und was man an
Kleidung besorgen muß und so weiter. Eigenartigerweise, konnte ich sie mit
meiner Begeisterung nicht sehr los- reißen, auch zur Frauenärztin wollte sie
nicht gehen, einer mir bekannten sympathischen Französin!
Sie erzählte mir einiges von Indien, sie hätte nach meiner Zeit, eine
Clique sympathischer Franzosen in Puna getroffen, sie wären alle über mein
Verhalten entsetzt gewesen und hätten sehr zu ihr gehalten, auch ein gewisser
Franzose mit dem Namen S. hat es ihr angetan, er hat sie therapeutisch mit
Massagen, Cranio Sacral und Shiatso ins Gleichgewicht gebracht (!) und es klang
so rüber, als ob sie auch ein Verhältnis mit ihm hatte, aber ich wollte die
Einzelheiten gar nicht wissen, er schien weit weg zu sei. Im Ashram war Y. schon
nach kurzer Zeit bekannt, es wurde abends in der OSHO Hall eine Life
Musikaufführung gegeben und Y. sollte ein Lied aus ihrer Heimat singen und alle
schienen sehr angetan von ihrer Erscheinung gewesen zu sein. Es ging auch das
Gerücht um, daß es eine offizi- elle Musikaufnahme auf Kassette von diesem
Abend geben soll, aber die Kassette ließ sich nie auftreiben. Ich merkte, wie
ich stolz auf Y. war.
Wir mußten nach Deutschland fliegen, zu einer beruflichen Weiterbildung,
für meine zukünftige Arbeit im südlichen Afrika. Beim Zwischenstop in
AddisAbeba, passierte etwas sehr Einschnei- dendes, eine Randfloskel, belanglos
erwähnt, aber von gravierender, nachtragender Bedeutung. Y. sprach mit mir
über die Heirat, ich weiß nicht mehr, was ich genau sagte, aber es muß wohl
im Sinne so gewesen sein, daß ich ihr sagte, ädaß sie erst mal ihr Baby
bekommen sollte und, daß wir dann über die Heirat sprechen könnten". Unser
Verältnis war in diesen Wochen ja nicht das allerbeste. Ihre Augen blitzten,
sie sagte nur, daß ich diesen Satz bereuen würde und behielt den Rest ihrer
Gedanken für sich. In diesem Augen- blick wußte ich, daß ich viel Kredit bei
ihr verlo- ren hatte, ich erinnerte ich mich, daß die Burun- desen eine sehr
nachtragende Gesellschaft sind, mit Mord, Tod, Verleumdungen und Vergiftun- gen
arbeiten und gefährliche Feinde sind, die Völkermorde zwei Jahre später in
Ruanda mö- gen dies bezeugen. Ich fühlte ein tiefes Schicksal in diesem
Augenblick. Ich wußte auch, daß Y. mir früher schon sagte, nie ein äIkianyendaro"
- ein uneheliches Kind haben zu wollen. Meine Mutter war dieser Wochen auf Kur
in Italien und wir flogen nur bis Rom, um sie auf ihrem Ferienhaus, im Golf von
Neapel zu besuchen.
Am Tag vor unserer Ankunft, versuchte die Mutter sich zu ertränken, indem
sie ihren Kopf in eine Schüssel Wasser tauchte, die vor ihr lag. Als wir
ankamen, war das Pflegepersonal mit den Nerven fertig, die Mutter war nach fast
einem Jahr aus den Krankenhäusern entlassen worden und war teilweise gelähmt
und war an den Rollstuhl gefesselt. Eine schwierige Zeit für mich. Auch mit Y.
war ich im Streit, wegen Ba- nalitäten, sie wollte dort, aus Eigensinn, nicht
aus einer Pension in eine andere Pension um- ziehen, obwohl dies dringend nötig
war.
Die Schwester von Y., A. war ebenfalls schwan- ger, die Geburt sollte dieser
Tage vor Ort gehen und ich war dafür, daß Y. nach Brüssel fuhr, um sich den
ganzen Ablauf des Kinderkriegens äschon mal anzusehen". Das Baby hatte
aller- dings ein paar Stunden nach der Geburt einen Herzstillstand, oder
ähnliches und starb, noch nicht mal richtig auf der Welt gewesend. Ein Schock
für alle. Anschließend glaube ich, war Y. noch für eine Woche in Paris, ihre
Freunde (!) aus Puna zu besuchen, Asura hieß die Frau dort, eine Schwarze aus
Guadeluppe, soviel ich mich recht erinnere. Y. konnte es sich nicht nehmen
lassen, zusam- men mit A. zu behaupten, daß die weißen Ärzte, daß schwarze
Baby hätten fast absicht- lich sterben lassen, nicht genug taten, ich war
entsetzt über so einen Blödsinn.
Wir trafen uns wieder in München und fuhren zum Bewerbungsgespräch, Y.
machte mehrmals die Andeutung, daß sie nicht sehr motiviert sei, nach Botswana
zu gehen, überhaupt schien sie verändert. Aber ich konnte nicht auf ihre Tagesstimmungen Rücksicht nehmen, ging es doch um Größeres, unsere zukünftigen
drei Arbeits- jahre in Botswana. Wir hätten dort ein schönes Haus, Arbeit und
Expertenleben und alles würde sich schon einrenken, außerdem unterstütze ich
meine Frau ja in allen nur erdenklichen Dingen.
Das Seminar und Bewerbungsgespräch bei der christlich orientierten
Entwicklungsorganisation dauerte ein paar Tage, wir waren auf dem Land bei
Hamburg. Wir hatten gerade in der Mittags- pause, ein speziell antörnendes
sexuelles Erleb- nis, fun and laughter und wir sollten uns an- schließend die
Tierzucht im Nachbarhof an- schauen. Y. ging etwas gelangweilt mit, nach ein
paar Minuten im Stall sagte sie, ädaß sie schon mal zurückgehen würde",
aus einer Intuition spürend, folgte ich ihr in ein paar Minuten, ging durch die
Gänge des Seminarhauses, kam an den Kabinen der Telephonanlage vorbei, war es
nicht meine Frau die dort sprach !! Aufgeregt mit verhaltener Stimme, ich
vernahm etwas von äBangkok und Thailand", in ein paar Wochen sollte sie dort
sein, etwas von großer Liebe und Sehnsucht wurde in französischer Sprache geflüstert ! Ich war wie vom Blitz getroffen und wurde weiß im Gesicht,
beschloß ruhig zu sein, schauen was weiter käme in dieser Richtung. Ich hatte
etwa das Gefühl, vergleichbar mit dem, eine fliegende Untertasse im Garten
gesehen zu haben, unfähig zu wissend, zu wem ich den Quatsch erzählen könnte.
Von da an war es um mich geschehen, ich wurde zum erbarmungslosen Spion, zu
einem, der ein Doppelleben hatte, der sie in die Falle laufen lassen wollte,
dies hier war mir noch zu wenig, was ich wußte.
Ich begann mich über ihre Notitzbucheintra- gungen herzumachen, ein Stein
des Mosaiks zum anderen zu fügen.
Ich kehrte klopfenden Herzens zur Stallbesich- tigung zurück und beschloß
mir wenig anmerken zu lassen. Empört war ich zu tiefst über unseren guten und
nahen Sex vor einer Stunde, in der Mittagspause, und nun war ich Zeuge dieses
ehebrecherischen Telephongesprächs und ihrer Liebesbeteuerungen einem
Unbekannten in Asien gegenüber, dieses Schwein, ich begann ihn abgrundtief zu
hassen, wer immer er war. Oder war es Science-fiction, Ostasien, wir waren hier
in Norddeutschland am Wattenmeer! Träume ich. Baby come down to earth.
Wie geplant, besuchten wir die nächsten Tage auch meinen Bruder H., der ein
paar Stunden weiter dort wohnte. Ich erinnerte mich noch, wie Y. bei ihm im Haus
in die Badewanne stieg, sie genierte sich und wollte alleine sein, ohne meiner
Anwesenheit im Badezimmer, es war klar, daß sie wegen ihres änicht
anwachsenden Bauches" in Bedrängnis kam, ich stellte sie zur Rede, äJa, es
gab kein Baby mehr, seit Nairobi", meinte sie mit leiser Stimme. äWarum sie
dies mir nicht eher sagen konnte ?". äNun, sie hätte gehofft, daß sie die
letzten Wochen noch mal schwanger werden würde, mit mir und dann wäre alles
weniger schlimm gewesen". Potztau- send Blitz, dies kann einem auch nur mit
afrika- nischer Unlogik widerfahren ! Aber der Charme dieser Naivität, nahm ihr
den Wind aus den Segeln, für mich echt böse zu sein, aber welche Idiotie, von
mir schon Kinderspielzeug und an- deres zu kaufen ! Vielleicht war ich auch
erleich- tert dies endlich zu hören, nach dem myste- riösen Anruf, dessen
Zeuge ich vor zwei Tagen wurde. Ich glaube auch, daß ich sowieso schon intuitiv
wußte, daß Y. nicht mehr schwanger war, aber was konnte ich tun, sogar zum
Frau- enarzt meiner Wahl zu gehen, weigerte sie sich, sie war angeblich bei äihrem".
Wir fuhren zurück nach München, sie wollte nicht weiter mit mir kommen, wir
übernachteten bei einer Cousine; ich mußte mehr wissen, ihren Jahreskalender
hielt sie gewissenhaft seit einiger Zeit verschlossen, der Koffer war immer
abge- sperrt, auch sonst war sie mehr als verschlos- sen. Ich nahm mir vor,
nicht einzuschlafen, als ihr Atem ruhig und gleichmäßig ging, schlich ich mich
zu ihrem Schlüssel. Öffnete ihren Koffer und las ihr Adreßbuch, es war nichts
eindeutiges zu lesen, aber eine Adresse und Telephon- nummer notierte ich mir,
ein gewisser Franzose S., der in Hongkong lebte !
Sie fuhr zu ihrer Schwester nach Belgien, mit bösen Ahnungen brachte ich sie
zum Bahnhof, dann hörte ich nichts mehr von ihr, ich war zu tiefst beunruhigt !
Die Schwester meinte, sie schien nur ein paar Tage bei ihr gewesen zu sein und
log, daß Y. mit unbekanntem Ziel weiter sei. Ich bekam einen Brief von Y., daß
sie ihr eigens Leben versuchen möchte, sich Arbeit suchen wollte und, daß sie
mich erst mal nicht mehr se- hen kann - und möchte und, daß ich mir keine
Sorgen machen sollte. Es wäre an ihr, sich wieder bei mir zu melden! Shit und
Übershit. Ich mußte sehr betrübt und ratlos dieser Tage gewe- sen sein. Mein
Flugzeug ging ein paar Tage spä- ter, zurück nach Afrika. Ich rief noch mal A.
in Belgien an, aber sie tat als die Unwissende, wüßte nichts vom Verbleib
ihrer Schwester und wollte mir nicht helfen. Ich flog mit Ethiopians Airlines,
ich war am Flughafen von Frankfurt, der Flug ging in einer halben Stunde, ich
machte mich verzweifelt auf zur Telephonzelle und rief aufs Geradewohl die
Nummer in Hongkong an, es meldete sich ein Typ, der ein Franzose sein mußte
dort, das Schwein S. , ich fragte nach Y., äOne minute", hies es und ich
hatte Y. am Hörer ! Ich weiß nicht mehr viel davon, was wir sprachen, äEs
ging ihr gut meinte sie, ich sollte sie in ein paar Tagen wieder anrufen".
Da war sie also, getürmt mit dieser französi- schen gegrillten
Drecks-Kakerlake, der Typ, der ihr in Puna die Massagen und weiteres gab, der
Startherapeut. Als wir ein paar Tage später noch mal telepho- nierten, ich war
inzwischen in Burundi und die Telephongespräche mußten ziemlich nervenaufreibend per Telephondame handvermittelt wer- den, sagte ich ihr, ädaß sie
zurückkehren könnte, wenn sie wollte, wenn sie meinte, einen Fehler gemacht zu
haben". äJa, es ging ihr gut, aber trotzdem wollte sie zu mir zurückkommen".
Ich schien meinen Ohren nicht zu trauen, und ich glaube ich war sehr glücklich
! Wir trafen uns einige Wochen später wieder mal in Kenia, es war inzwischen
Weihnachten 1993, und wir ver- brachten die Tage beschaulich am Strand vom
Mombassa, besser gesagt an meinem geschätz- ten Twiga Beach. Unser Verhältnis
war unge- wöhnlich und sehr liebevoll, und ich erinnere mich an unsere
erschöpfenden Liebesnachmit- tage, voller Schweiß und Aufregung, in der
schwülen Tropenluft des Bambusbungalows ! Es war auch dieser Tage, als wir am
Sandstrand am Meer saßen und ich ihr mein aufrichtiges Heiratsangebot machte,
endlich. Ich stand diesmal dahinter und es war nicht mehr eines dieser
halbherzigen, früheren Angebote. Ich sagte ihr allerdings, daß es bei uns
inzwischen üblich ist, einen Ehevertrag zu machen, beson- ders, wenn wir aus so
unterschiedlichen Ver- hältnissen kommen würden, aus dem Islam müßte sie
dieser Art von Eheverträge doch kennen, ich würde nicht ohne Ehevertrag heiraten. Sie schaute mich etwas komisch an, und ich ahnte zu der Zeit noch nicht,
welchen trou- bel dieser Vertrag mit sich ziehen würde ! Wir wollten so um den
Juni heiraten, entweder in B., oder in Deutschland.
Sie erzählte mir dies und jenes aus Hongkong, die Einzelheiten mit ihrem
Drecksschwein von Lover, hätte sie besser weggelassen, denn sie machten mich
nur nachträglich eifersüchtig. äWie sie denn zu dem Ticket nach Hongkong
gekommen wäre?", äJa, sie hätte dem Mann ihrer Schwester, so lange etwas
aus Liebes- kummer vorgeheult, bis dieser ihr das Ticket ausgelegt hätte".
Seit ich dies hörte, sprach ich mit dem verräterischen Couple kein Wort mehr!
Ein positiver Faktor der ganzen Story war es, daß Y. inzwischen chinesisch
kochen konnte und, daß sie ein wenig mehr wußte, was so in der Welt los war!
Als ich ihr früher exotisches Kochen zeigen wollte, tat sie es immer als Besserwisserei ab, konnte keinen Rat von mir akt- zeptieren, typisch für unsere
Beziehung; kaum kommt diese Stallsau dahergelaufen, wird er magisch verehrt.
Silvester hatten wir eine gute Strandparty, ein englischer Swami O., der mir
später ein lieber Freund werden sollte, war auch zufällig in der Nähe. Wir
fuhren zurück nach N., ich versuchte Y. zu überreden, zu mir nach B. zurück
zukeh- ren, ich würde sie brauchen, sie könnte mir hel- fen und ich möchte
sie bei mir haben. Aber sie blieb eisern und unnachgiebig, sie wollte in N.
englische Sprachkurse besuchen und könnte nicht mit mir kommen, bis zuletzt
hoffte ich, sie würde es sich anders überlegen, aber Nein, und ich war
enttäuscht, es war auch an mir, ihr wie- der mal alles zu bezahlen, vom
Apartment und Kursgebühr, bis zum Taschengeld.
Ich kam alleine nach B. zurück und war nicht sehr glücklich darüber,
besonders, als alle Welt mich danach fragte, äwarum ich denn wieder mal meine
Frau nicht mit mir hätte". Ich begann mein Haus weiter zu bauen, mit meinen
ge- schätzten Arbeitern, Hutus wie Tutsies. Ich mußte oft in die Stadt um
Material zu kaufen, wie oft, fuhr ich durchs Quartier Asiatique, ein
pakistanischer Bekannter war mit im Auto, wir fuhren langsam über die holprigen
Straßen, voller weicher Schlaglöcher, zwei schwarze Grazien bogen um die Ecke,
zwei junge Mädchen, deux gazelles, wie der Marokkaner sagen würden, oder deux
nanas, wie der Zarois sagt. Die größere der Beiden fiel mir auf und packte
mich mit meinem Jagdinstinkt, ich war nur etwas in der Klemme, weil der Typ
neben mir saß, und er ein eingefleischter Rassist war. Trotz seiner gelben
Gesichtsfarbe, fühlte er sich eindringlichst als Engländer und stand, wenn
auch mit bescheidenen Erfolgen, nur auf weiße Frauen. Nun, ich merkte mir, wo
die Mädels ins Haus gingen und eine halbe Stunde später kam ich zurück und
erkundigte mich nach ihnen. Die hübschere hieß O. und war der Star der Gegend.
Sie mochte sie gerne mit mir verabreden und wir trafen uns des öfteren. Wir
trafen uns in der verlassenen Villa eines beurlaubten Freundes und hatten
gefühlvolle Schmusereien. Ich sah nicht ein, die ganzen Monate alleine rum
hocken zu sollen, und ich war wirklich der Meinung, daß man in Afrika ein Mann
besser nicht lange alleine läßt, vor allen Dingen dann, wenn der Mann seine
Frau gerne bei sich hätte! O. war eine orginelle Typin und sie lag mir, alle
bewunderten mich mit ihr, und ich mochte sie sehr. Sie war ganz anders wie meine
Y., sie erzählte mir viel von sich, frei und ungezwun- gen, ohne Hintergedanken
und Planungen, sie studierte Hotelfach und scheute sich nicht, in der Hotelbar
eines der großen Hotels zu ser- vieren und ihr Praktikum zu machen. Einmal
sagte sie mir, wenn sie einen Clinch mit ihrem Freund haben würde, irgendeine
Dummheit die sie begannen hätte, wäre es besser der Freund würde ihr eine
knallen und hinterher wäre die Sache erledigt und vergessen, als ewig die Sache
mitzuschleppen. Well, dies sollte ich mal meiner stolzen Y. erzählen, no way.
O. hatte gewisse Probleme mit ihre Sexualität, sie hatte Vaginismus, angeblich
weil sie mal halb vergewaltigt wurde, an der Straße zur Universi- tät, hinter
einem Busch, aber dies tat unserer Freundschaft keinen Abbruch.
Mein Haus, meine Villa am Rande der Haupt- stadt, war inzwischen fast fertig
gestellt, es war Zeit eine fête d?inauguration - eine Einweih- ungsfete zu
organisieren, ich wollte meinen Star O. natürlich dabei haben und wir
organisierten folgende List, daß sie mit einem anderen Deut- schen Freund, als
Alibi kommen sollte, den schließlich war ich immerhin verlobt. Die ersten
Anzeichen des Bürgerkrieges nahten bereits, der ältere Bruder meiner Frau war
in der Oppositionspartei und sagte mir, daß er es nicht wagen könnte, in mein
Viertel zu kommen, wo hauptsächlich Sympathisanten der alten Regie- rung
wohnten ! Der jüngere Bruder war unpar- teiisch, sah aus wie ein Tutsi und er
kam zu meiner Hauseinweihung. Die Leute gingen bald, sie hatten Angst vor
Straßensperren und tat- sächlich hatten wir auch später Schwierigkeiten, in
die Stadt zurückzukommen. Alle standen auf O., ein burundesischer Bekannter
macht mir das Ohr heiß, ob ich es arrangieren könnte, daß er sich mit ihr
treffen könnte, nur zu, sagte ich, denn ich wußte, daß O. zu mir halten
würde, später beklagte er sich maßlos, sie erklärte ihm, sie würde mich
lieben und er wollte tatsächlich die Spesen für sein Abendessen mit ihr, von
mir zurück ! Auch der deutsche T., der mir vor ei- nem Jahr bei der Verlobung
mit Y. assistierte, kam zu mir und meinte, Y. sei so schwierig und zickig, und
ich sollte mir doch einfach O. neh- men. Aber so leicht lies ich mich auch nicht
vom Vorgehabten ableiten und ich erklärte O. immer, daß ich verlobt sei.
Inzwischen stellte sich sogar heraus, daß O. eine entfernte Cousine meiner Frau
war, und Y. bekam wohl später irgendwel- che Stories von ihren Freundinnen
über O. er- zählt und machte mir maßlos Vorwürfe, daß ich nicht mal
zurückschrecken würde, mich an ihre Cousine ranzumachen. Ich lies mich nicht
auf eine Diskussion mit Y. über O. ein.
Einige Tage später nach der Hauseinweihung, besuchte mich O. am späten
Nachmittag, wir saßen am Balkon oder sonstwo, als wir einen rießen Knall und
Schlag in der Nachbarschaft hörten, später kamen Maschinengewehr- geknatter
dazu. Damned, jetzt schien es loszu- gehen, einige meiner Arbeiter lachten noch
drek- kig und ich schickte sie nachhause. Eine geteerte Straße ging 300 Meter
hinter dem Haus vorbei, eine Granate wurde aus dem Elephantengras zu einem
Taxibus geworfen, ein Attentat der Re- bellen - les assillantes. Tage später
noch, sah ich das warnende Loch im Asphalt. O. und ich wa- ren zittrig und
nervös und ich wagte nicht mehr sie nach Hause zu bringen, wir schliefen zusammen in meinem Haus, im obersten der drei Stockwerke, aber die Nacht und unser
Schlaf waren mehr als unruhig und ungemütlich, auch wenn sich O., als
Angehörige der Tutsis, in ge- wisser Sicherheit wiegte. Aber diesmal waren es
wohl die Kleinen, die die Granate schmißen. Nachts hörten wir wieder
Maschingewehrsalven in den Himmel jellen. Auch die Hütten, unten nach meinem
Grund- stück, waren schon seit Wochen geisterhaft verlassen, die
Bauernbevölkerung, von den Tutsis mit spitzen Bambuswaffen verjagt. Mit Sorge
um mein gerade fertiggestelltes Eigentum, verließ ich das Land eine Woche
später.
Ich mußte nach Deutschland, meinem neuen Lebensabschnitt entgegen gehen. Ich
zog nur kurz in Erwägung, die Heirat und den Ehevertrag in Burundi zu
organisieren, aber dann hatte ich keine Lust, mich mit dem belgisch-französisch
Gesetzescode auseinander zu setzen und freun- dete mich mit der Idee, in meinem
bayerischen Heimatdorf zu heiraten, an.
Ein an sich, mir sehr fremder Gedanke, denn ich entsprang einer unglücklich
verheirateten Fami- lie, die Ehe meiner Mutter war angeblich ein Horror und
wurde 1954 nach vier Ehejahren geschieden. Ich wuchs bei den Großeltern auf,
und die Kommentare der Erwachsenen, bezüg- lich von Ehen, waren nicht die
besten, und ich faßte wohl, vor oder nach der Pupertätszeit, den Beschluß,
doch nie zu heiraten !
Nun, dreißig Jahre später, habe ich mich ent- schlossen diesem Schwur zu
entkommen und Y. schien mir immer noch die richtige Person dafür zu sein. Eine
Hochzeit im Kleinen sollte es sein, unter engsten Freunden, ein Tisch mit
vielleicht einem Dutzend Personen. Ich hatte die Idee, das Essen in einer
kleinen Gaststätte, am Rande eines Moores zu organisieren, ein beliebter
Treffpunkt mit meiner Jugendliebe, während der Abiturzeit. Nun, das
Ausflugslokal mit der an- grenzenden Kapelle, war ein gefragter Heirats- ort,
aber es gelang mir noch, eine Reservierung für Freitag den 1. Juli 1994 zu
erhalten.
Y. und ich besprachen die Einzelheiten der Hochzeit wohl zwei Monate vorher,
noch in Burundi. Ich versuchte ihr meine Vorstellungen rüberzubringen, äsomething
small - etwas Be- scheidenes" und konnte wohl nicht allzu große Begeisterung
mit meiner Bescheidenheit, bei ihr damit erwecken. Seitens ihre Familie, würden
wir ihre Schwester aus Belgien mit ihrem Mann zur Hochzeit einladen, was sie
davon halten würde ! Bei mir wärs die Mutter und vielleicht noch der Onkel und
ein paar Freunde, die sie meist schon kannte.
Noch in Burundi, ging ich öfters bei ihrer Fami- lie ein und aus und deren
Frage des genauen Hei- ratsdatums schmetterte ich damit ab, ädaß eine
gewissen Ungewißheit bei der Erstellung der offiziellen Heiratsdokumente
bestehen würde, und so lange die nicht da sind, könnte man auch keinen festen
Hochzeitstermin festlegen". Die Mutter von Y. wollte ich auf keinen Fall dabei
haben, denn sie liebte es gerne zu tief ins Glas zuschauen und nichts käme mir
absurder vor als, diese mittelalterliche Dame mit leichter Schräg- lage, am
Tage meiner Hochzeit, vielleicht im Hause meiner Mutter einquartieren zu
müssen. Aber da bestand ja keine Gefahr, heirateten wir nicht im fernen
Deutschland und die Schwie- germutter war ja nun mal hier in Schwarzzentralafrika. Wenn wir hier in Burundi heiraten würden, wäre alles ganz
anders, hier war ich inzwischen fast zuhause, hatte Haus und Hof, konnte tun was
ich wollte, aber dort waren wir immer hin nur zu Besuch.....
Und dann kam der schreckliche Dolchstoß, äganz zufällig" wurde die
Schwiegermutter wäh- rend der Zeit der geplanten Hochzeit, von ihrer Schwester,
die ebenfalls in Belgien lebte, nach Belgien eingeladen, um sich dort ägesundheitlich
behandeln zu lassen", ganz zufällig, shit, ohne mich, diese Spielchen !
Ich sprach aufgebracht mit Y., nun die meinte, dies müßte ich mit ihrer
Mutter selbst ausma- chen, nicht mit ihr, wenn ich die Mutter nicht einladen
würde. Sie zeigte die kalte unberührte Schulter, nun ich warnte sie. Ich
überlegte kurz den Hochzeitstermin zu verschieben, aber dann dachte ich mir:
äVerdammt noch mal, dies ist unsere Hochzeit, und ich laß mir unseren Spaß
nicht einfach, durch dies und jenes verderben". Ich lauf nicht davon, sondern
sehe der Sache mit meiner Entscheidung ins Auge, die Mutter wird nicht zur
Hochzeit eingeladen, die ganze schwarze family in meinem bayerischen Heimatdorf, ja sonst noch was, mit den jungen, da geht des, aber nicht die ganze
Bagage! Ein Mann ein Wort und Y. war am laufenden gehalten und ihr schien die
Sache auch scheinbar so recht zu sein, jedenfalls tat sie so. Aber damit habe
ich sie wohl ein wenig überfordert, wie sich später rausstellen sollte, es
muß eine schlimmer Knick für sie gewesen sein, aber sie wußte eh schon, daß
ich nicht Durchschnitt war und sie schien sich auf meine Marotten einzulassen.
Der count down zur Hochzeit lief, Y. besuchte für über ein Monat einen
guten Sprachkurs am Goetheinstitut, es machte ihr Spaß Studentin zu sein und
sie war clever, sie kam auch gleich mit den übrigen Studenten zurecht und an
Freunden und Bekannten mangelte es ihr nicht. Die Frage des Hochzeitkleides warf
uns wieder durchein- ander, als ich ihr den Heiratsantrag machte, sagte ich ihr
schon, daß ich nur ihn äJeans und Schlips heiraten würde" und, daß ich
kein weißes tradi- tionelles Hochzeitskleid für sie kaufen würde. Nun, keines
der Kleider in den Boutiquen war ihr recht, wir probierten es mit einem
sauteuren gelb-seidenen Dirndl in der Münchner Innen- stadt, dann hatten wir
endlich ein blaß weiß- violetes apartes Sommerkleid, was ihr phanta- stisch
stand; sie bemängelte den Ausschnitt, der ihr den Busen flach drücken würde.
Wir gingen alternativ in ein Brautkleidgeschäft, nach zehn Minuten der
Kleiderprobe, wurde mir schwind- lig, ich mußte nach draußen und als Resultat
kauften wir das blaß weiß-violete Sommerkleid. Ich hatte ein paar schöne
Eheringe in einem Schaufenster entdeckt, sie waren aus drei ver- schiedenen
Goldarten geschnitten, was wirklich nicht Alltägliches, ich hatte Angst, daß
Y. sich querstellen würde, aber die Sorge war unbegrün- det, da sie wesentlich
teuerer waren als die ande- ren, waren sie ihr wohl recht, obwohl sie eine
gewisse Extravaganz darstellten und nicht unbe- dingt sofort als Eheringe
erkennbar waren. Ich bestellte sie demonstrativ sofort, um ihr die
Ernsthaftigkeit und Unumstößlichkeit unser Hochzeit zu beweisen !
Der schwierigste Teil unserer Vorbereitungen, war der Ehevertrag ! Schon auf
unserer ICE Zugfahrt vom Flughafen nach meinen Heimatort, platzte sie irgendwann
heraus, ädaß sie keine Lust auf einen Ehevertrag hätte", ich patzte
zurück, daß wir dann auch nicht heiraten würde. That?s it.
Bei einem unserer Besuche in München, schau- ten wir bei einem Notar vorbei,
aus irgendeinem Grund, ich glaube der Notar war krank und hatte nur eine wenig
überzeugende Vertretung parat, kamen wir dort nicht weiter. Ich machte später
bei einer anderen Anwältin alleine einen Besuch, das wichtige in dem Papier
war, daß bei einem überraschenden Ableben meinerseits, mein Haus in
Deutschland, nicht automatisch an meine Frau gehen sollte, sondern, daß
spezielle indivi- duelle Regelungen getroffen wurden, mein gro- ßes Haus in
Afrika, konnte sie ohnehin in die- sem Fall haben. Das zweite wichtige Ding, war
eine sofortige einmalige Ablöse einer gesunden Geldsumme, dafür wäre ich dann
nicht im Falle einer Trennung verpflichtet, ihr auf ungewisse, unbestimmte Zeit,
einen Lebensunterhalt zu zahlen, die gesetzlichen Verpflichtungen bei Kindern
wurden dabei natürlich nicht einge- schränkt.
Nun, sie wollte von diesem Vertrag nichts wis- sen, eine Woche vor dem
Hochzeitstermin war er immer noch nicht unterzeichnet und ich berei- tete mich
auf eine emergency vor ! Mit aller meiner Diplomatie und Überredungskunst, willigte sie dann doch noch ein. Es war schwierig, einen Termin bei einem Notar zu
erhalten, mit einer französischen Übersetzerin fuhren wird endlich zu dritt zu
dem werten Herrn, er wohnte in einer provinzialischen Kleinstadt, wir fuhren
fast eine Stunde mit dem Auto, ich werde nie die ungemütliche Atmosphäre
vergeßen, die auf der Fahrt im Wagen bestand.
Wir kamen zur Sitzung, das Dokument wurde vorgelesen und übersetzt, der
ergraute Typ fragte meine Frau, äWollen Sie denn eigentlich diesen Vertrag",
und sie antwortete spontan, äEigentlich nicht", und der Typ schloß die Akte
und meinte: äDann gehen sie doch besser erst mal nach Hause und einigen sich
unter sich, be- vor sie zu mir wieder kommen". Bautz, die Hochzeit für morgen
war gestorben. Wir gingen mit eigenartigen Gesichtern runter in ein Caf?an
einem mittelalterlich wirkenden Platz, und ich machte allerlei Telephonate, um
die Hoch- zeit abzusagen, bzw. zu verschieben auf unbe- stimmt, allein die
Gravur der Eheringe zum 1. Juli, erinnert noch an dieses Datum. Jedermann
wunderte sich über uns !
Nun, es gab noch viel mystischere Erscheinun- gen, die ich in ihrer Bedeutung
in diesen Tagen kaum erfaßte.
Und dann das Schwein !!! Es passierte zwei Wochen vor der geplanten Hochzeit,
ein Franzose rief an, er stellte sich als die Dreckskakerlake, die Erzsau S.
vor, ich erfuhr, daß er aus Hongkong seit ein paar Tagen zurück ist. Ich sagte
ihm, daß ich Y. in zwei Wochen heiraten würde und, daß er sich doch bitte
zurückhalten sollte und meine Frau in Ruhe lassen sollte. Ich erzählte Y. von
dem Anruf und warnte sie.
In dieser Zeit mußte sie auch aufs Rathaus ge- gangen sein und die
vorgeschlagene Änderung des Ehenamens im Heiratsantrag rückgängig gemacht
haben. Nicht meinen Familiennamen wollte sie mehr erhalten, sondern ihren
behalten, mit dem Bindestrichanhängsel des meinigen. Ich nehme an, dies war das
Resultat der Anrufe und Ratschläge des Scheißkerls, dieser angesengten Südsau.
Y. war viel mit den Burschen und Mädels vom Sprachkurs zusammen, es gab
abendliche Essen und Zusammenkünfte, bei denen ich nicht einge- laden war, eine
geheimnisvolle Fahrt nach an- geblich Regensburg ?, mit einer zwingenden
Übernachtung, zu einem Abschiedsessen, dazu gab es mitternächtliche Anrufe,
wenigstens ei- nen, ich wollte aufspringen zum Telephon am Gang, sie kam mir
zuvor, als ich nachkam wur- den ein paar Dinge geflüstert und aufgelegt und
darauf bestanden, daß es ihre Schwester aus Belgien war, die anrief ! Y. kam
morgens, es war ein Mittwoch, von der eigenartigen Übernachtung zurück, wir
begegne- ten uns im Treppenhaus meines Elternhauses, sie umarmte mich kurz und
sah mir unsicher in die Augen, ich spürte ihren Atem gehen und ihr Herz wild
schlagen, ich sprach sie darauf an, äAch, sie sei vom Bahnhof schnell gelaufen",
ich glaubte ihr nichts mehr, gar nichts mehr, äWo die Fahrkarte wäre",
meinte ich, äDie hätte sie weggeworfen". Shit und Teufel, ich wußte nicht
mehr woran ich war, sollte ich sie fallen lassen, nur weil ich nicht sicher
wußte, was los war. Zwanghaft starte ich meine zweite Spionage- phase !
Bestellte per Expreß und teures Geld ein Tonbandgerät, welches automatisch
Telephon- anrufe anzapfte und aufzeichnete. Ich wurde fündig und entdeckte
darauf Andeutungen weiterer Liebesgeflüster, von ihr und dem Schwein.
WARUM HEIRATETE ICH ÜBERHAUPT NOCH ? Es war nicht einfach für mich, ich
überlegte mehrfach, ob die Hochzeit denn noch Rechtens sein würde, aber meine
Frau machte es mir nicht leicht, sie stritt alles ab, ich hatte keine echten
Beweise und hätte die Hochzeit nur auf Grund von Verdachtsmomenten in den Sand
setzen können. Sollte ich etwa von der Sache die Finger lassen, weil meine Frau
Freunde be- suchte, das Zugticket wegschmiß und mit Herz- klopfen am nächsten
Morgen heimkam und mir versicherte, daß alles in Ordnung wäre ! ? Wenn ich sie
auf das Superschwein ansprach, meinte sie, es sei zu Ende, es sei nur noch ein
Nachläufer, Nachwehen.
Nun, die Hochzeit war abgesagt, es fiel mir nicht allzuschwer auf Grund der
Argumente, aber schade war es doch, der ganze Aufwand, die vielen Bemühungen,
die Träume und Hoffnun- gen... Zwei Freunde, ein Pärchen, hatten aus Berlin
schon den Flug nach München gebucht, ich holte sie vom Bahnhof ab, wir machten
eine Bootspartie auf einem der schönen oberbayeri- schen Seen, zu viert. Es mag
komisch klingen, aber wir waren alle relativ guter Dinge, in Anbe- tracht der
unmöglichen Vorkommnisse, die sich ereignet haben, es war ein schöner
Sommertag und wir ruderten in einem Holzkahn stunden- lang auf dem moorigen
Wasser und aßen später Radi und Laugenbrezen und tranken gutes Weißbier.
Am nächsten Morgen, es war ein Samstag, re- dete ich meiner Frau noch mal
ins Gewissen und wir ließen unseren Gefühlen freien Lauf und mit vielen
Tränen und Geheul beiderseits, stellten fest, daß wir uns anscheinend doch
noch liebten und wir kamen überein, eine Woche später, nun die Hochzeit
nachzuholen. Sie versprach mir hoch und heilig, den Ehevertrag sofort anschließend zu unterzeichnen, sobald Gelegenheit war ! Schön wie ich dies damals
glaubte !
Am Montag begannen Y. und ich, eines der wei- teren Vorbereitungsseminare in
Württemberg, für diesen evangelischen Entwicklungsdienst. Kaum hatten wir die
bürokratischen Dinge erle- digt, erfolgte einer der Hammerschläge, ein blonder Pfarrer hatte die Seminarsleitung, er hatte einen skandinavisch klingenden
Namen, als er hörte, daß wir noch nicht verheiraten waren, aber dies nachholen
würden, rastete er aus, mit funkelnden Augen erklärte er mir, Y. war gerade
anderswo, äDaß, wenn wir nicht bis zum näch- sten Montag schleunigst
verheiratet wären, ich mir den Job in Botswana an den Hut stecken könnte!".
Ich traute meinen Ohren nicht zu hö- ren und dies kam von einem Vertreter der
Kir- che, eine Forcierung zur Ehe, nur damit deren Programm nicht auseinander
kam; hatte er nicht selbst erklärt, daß er sich scheiden ließ, nachdem er mit
seiner Frau zu einer Mission nach Ghana geschickt wurde! Dreckschwein Nummer
zwei. Von dieser Minute an, war meine Achtung vor diesem Verein minus Null !
Später erfuhr ich auch, daß sie genaue Codes für die Auswahl ihrer
Ausreisenden hatten, wenn man befreundet war, also eine Freundin hatte, mußte
man heira- ten, wenn man sich trennte, mußte dies vor mindestens einem Jahr
passiert sein, um äpsychisch stabil" zu sein. Ich war aufgebracht, Job ist
Job, was soll das ganze Theater, ich gehe dort runter um meine Arbeit in einem
Konstruk- tionsbüro im südlichen Afrika zu machen, what else. Was gehen die
meine Bumsereien an !
Die Nacht vor der Hochzeit war auch noch vol- ler Spannung. Wir stritten
wegen irgend etwas Grundsätzlichem, am Abend bei einem Spazier- gang entlang
eines Baches. Zuhause angekom- men, ging ich betroffen ins andere Zimmer, ins
Gästebett und ich wußte, wenn meine Frau jetzt nicht zu mir kommen würde,
diese Nacht, dann stehe ich den morgigen Hochzeitsvormittag nicht durch und
möchte auch gar nicht, die Hochzeit wird für ein- und allemal und für immer
gestrichen. Zum Glück kam sie irgend- wann später zu mir, unter die Bettdecke,
und wir vertröstet
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